Lehrer : Betragen: sehr gut

Erstmals wurden die besten Pädagogen mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet.

Daniela Martens

Den besten Lehrer Deutschlands gibt es nicht. Das glaubt zumindest Dieter Radde. Seltsam, denn eigentlich ist er in gewisser Weise der beste Pädagoge des Landes – für viele Abiturienten am Luise-Henriette-Gymnasium in Berlin-Tempelhof nämlich. Sie haben den Erdkunde, Geschichts- und Politiklehrer für den Deutschen Lehrerpreis Pisagoras vorgeschlagen, der in diesem Jahr zum ersten Mal ausgeschrieben wurde.

Am gestrigen Freitag im Museum für Kommunikation erhielt Radde die Auszeichnung tatsächlich – gemeinsam mit 78 anderen Lehrern. Denn überraschend stellte sich heraus, dass nicht einige wenige „Superlehrer“ den Preis bekamen. Sondern alle 79 Nominierten, die es in die letzte Runde geschafft hatten. Und zwar als gleichrangige Preisträger ohne Abstufungen.

„Sie werden stellvertretend für alle besonders engagierten Lehrer in Deutschland ausgezeichnet“, sagte der saarländische Bildungsminister Jürgen Schreier gestern Mittag, als die Preisträger bekannt gegeben wurden. Schreier ist auch Vizepräsident der Kultusministerkonferenz. Schirmherrin des Preises ist Bildungsministerin Annette Schavan. „Ich habe sie morgens um sieben beim Frühstück dazu überredet“, sagte Susanne Porsche. Die Filmproduzentin ist Initiatorin des Preises und hat zu diesem Zweck den Verein „Deutscher Lehrerpreis“ gegründet. Der hatte Absolventen aller Schulformen in ganz Deutschland aufgerufen, Lehrer für den Preis vorzuschlagen. 4000 der 80 000 Schulabgänger beteiligten sich und schickten meist lange Aufsätze als Begründungen mit. Aus diesen Vorschlägen wählte eine 16-köpfige Jury aus prominenten Wissenschaftlern, Unternehmern und Lehrern dann die Preisträger aus. Der ehemalige Berliner Wissenschaftssenator George Turner gehörte zum Beispiel zur Jury, ebenso der Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft Jürgen Baumert und der ehemalige ZDF-Intendant Dieter Stolte. Aber auch der Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld – er ist nämlich ausgebildeter Lehrer.

Die Kriterien der Jury: besonders großes Fachwissen, überdurchschnittliches Engagement, starke Persönlichkeit. Dieter Radde erfüllt sie alle: „Her Radde ist manchmal einfach übermenschlich. Er ist mehr als einfach nur ein Lehrer“, schrieb seine Schülerin Rebecca Jacobs in ihrer Beurteilung. Sie berichtete ausführlich über seine „unglaubliche Fachkompetenz“, über seine „große Geduld“, seine besondere Hilfsbereitschaft. „Er engagiert sich weit über das normale Pensum hinaus“ für seine Schüler – sogar in privaten Dingen. Und während seiner regelmäßigen Wirtschaftsprojekte habe er „nächtelang nicht geschlafen“.

„Ein besonders guter Lehrer muss Einsatz über das Klingelzeichen hinaus zeigen“, sagte Jürgen Schreier. „Nicht nur zeitlich, sondern vor allem mit seiner persönlichen Einstellung.“ Es gebe viele gute Lehrer. Sie bekämen allerdings statt des verdienten Lobes viel häufiger Schelte zu hören. „Dabei funktioniert man ohne Anerkennung nicht.“ Deshalb sei der Preis als „Initiative aus der Bevölkerung heraus“ besonders wichtig – um dem Beruf mehr Anerkennung zu verschaffen , wie etwa in Finnland. „Die guten Pisa-Ergebnisse dort hängen auch mit dem Prestige des Berufsstandes zusammen.“ Deshalb heißt der Preis Pisagoras.

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