Welt : Lena singt nicht in Berlin

Eurovision Song Contest 2011 geht nach Düsseldorf – dort kann die ARD mehr Tickets verkaufen

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Die ARD und ihre Eurovision. Die Siegerin des Eurovision Song Contest (ESC) 2010, Lena Meyer-Landrut, wollte in Berlin singen. 2011 findet der ESC aber in Düsseldorf statt. Foto: dpa
Die ARD und ihre Eurovision. Die Siegerin des Eurovision Song Contest (ESC) 2010, Lena Meyer-Landrut, wollte in Berlin singen....Foto: dpa

Am Ende zählte das Geld. Die ARD-Intendanten haben sich nach abschließenden Beratungen am Dienstag für Düsseldorf als Austragungsort des Eurovision Song Contest (ESC) im Mai 2011 entschieden . Lena wird ihren Grand-Prix-Titel also nicht in Berlin verteidigen.

Ausschlaggebend seien die Platzverhältnisse gewesen, erklärte RBB-Intendantin Dagmar Reim. In Düsseldorf stünden 24 000 Plätze für Fans zur Verfügung, in Berlin wären es nur 8800 gewesen. „Daraus folgt: Die Einnahmen durch Kartenverkauf können in Düsseldorf so erheblich sein, dass Berlin für die ARD um Millionen teurer wäre.“ Lutz Marmor, Intendant des beim ESC federführenden NDR, sagte, er habe „im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit Gebührengeldern“ Düsseldorf als ESC-Austragungsort empfohlen. Die Intendanten folgten diesem Vorschlag einstimmig – auch wenn der RBB lokalpatriotisch betonte, man habe natürlich „zunächst“ die Bewerbung der Hauptstadt „mit aller Kraft unterstützt“.

Neben Düsseldorf und Berlin hatten sich auch Hamburg und Hannover mit ihren Messehallen für den ESC beworben. Eine ARD-Expertengruppe war zweimal, Anfang und Ende September, in die Bewerberstädte gereist und hatte die potenziellen Spielorte besichtigt. Auch Rahmenbedingungen wie verfügbare Hotelkontingente wurden geklärt.

Nun ist es also, nach einigem Wirbel um vermeintlich bereits gefallene Entscheidungen, tatsächlich Düsseldorf geworden. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bedauerte die Entscheidung: „Berlin hat eine engagierte und anspruchsvolle Bewerbung vorgelegt, und wir haben mit dem Flughafen Tempelhof dafür einen einzigartigen Ort angeboten.“ Für den ESC sollte eine Halle auf dem ehemaligen Flugfeld errichtet werden. Die kuppelartige Edelstahlkonstruktion mit darüber gespannter Membran wäre 26 Meter hoch gewesen und hätte Raum geboten für eine 350 Quadratmeter große Bühne, über 10 000 Sitzplätze sowie 1000 Stehplätze.

Wowereit bedauerte auch die verpasste internationale Werbewirkung für Berlin: „Eine solche Veranstaltung, die eine europaweite Ausstrahlung hat und die sich besonders an junge Leute richtet, hätte hervorragend in die jugendliche Metropole Berlin gepasst.“ Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Tourismus-Marketinggesellschaft Visit Berlin, sah das ähnlich: „Die Chance, für unser Land mit seiner international angesagten Hauptstadt zu werben, wird mit dieser Entscheidung nicht genutzt.“ Die Bühne auf dem Flughafen Tempelhof hätte „unglaubliche Bilder für Deutschland produziert“.

Ein Problem bei der geplanten Halle war jedoch möglicherweise auch, dass bei einem Sonderbau die Akustik nicht vorab getestet werden kann. Die Düsseldorfer Esprit-Arena bietet laut ARD eine „ausgezeichnete Akustik“. Auch sonst seien die Produktionsbedingungen günstig: Die Umbaupausen zwischen den Auftritten dauerten nur 35 Sekunden, es gebe viel Platz hinter der Bühne und eine optimale Deckenhöhe, um Dekorationen nach oben ziehen zu können.

In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt war die Laune erwartungsgemäß bestens: „Es wird das größte Musikereignis sein, das es in Deutschland jemals gegeben hat“, sagte Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU). Neben dem ESC-Finale am 14. Mai 2011 werden auch die Halbfinals am 10. und 12. Mai im Stammstadion des Fußballclubs Fortuna Düsseldorf ausgetragen.

Weil die Arena schon sechs Wochen vor dem Wettbewerb für Aufbauten zur Verfügung stehen muss, weicht der Zweitligist für die letzten drei Heimspiele der Saison in das kleinere Paul-Janes-Stadion aus. Dies hatte die Deutsche Fußball-Liga bereits im Vorfeld genehmigt. Das Janes-Stadion soll nun von 7200 auf mindestens 15 000 Plätze ausgebaut werden.

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