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Martin Zähringer

Mythos Arktis



Die Arktis zählt noch immer zu den tragischen und heroischen Orten unseres kollektiven Menschheitsgedächtnisses. Jetzt legen die finnischen Arktisforscher Matti Lainema und Juha Nurminen einen beachtenswerten Bild- und Textband zur Geschichte ihrer Erforschung vor. Das ist selbst ein historisches Forschungsabenteuer vom Griechen Pytheas, der 320 vor unserer Zeit eine Reise in den Norden unternahm, bis zu den letzten großen Thule-Expeditonen eines Knut Rasmussen oder Lauge Koch. Dazwischen liegen all die arktischen Abenteuer und Kämpfe, die zahlreiche Schriftsteller, Leser und Reisende für den Mythos Arktis begeisterten.

In dreizehn Kapiteln mit zahlreichen Bildern und Kartenwerken erfährt man fast alles über die Wikinger auf Grönland, über die Geschichte des Walfangs, die Hudson Bay Company, Captain Cooks Nordmeerreisen, Franklins tragische Irrfahrt, das Rennen zur Beringstraße oder den Wettlauf zum Nordpol. Lainema und Nurminen verdichten die gesamte Quellenlage zu eindringlich beschriebenen Etappen. Kritische Töne sind nicht so auffällig. Mit Größen wie dem amerikanischen „Nordpolentdecker“ Robert Peary etwa gehen die Autoren schonend um, obwohl man doch über dessen Umgang mit den Inuit Bescheid weiß. Überhaupt kommt die spezielle Geschichte der von den beiden Finnen beharrlich „Eskimos“ genannten Ureinwohner der Arktis nicht so deutlich ins Bild. Dass die arktischen Völker eine eigenständige Kultur haben, daran wird nicht angemessen erinnert. Es geht halt immer noch um unsere Helden.Martin Zähringer





Matti Lainema/Juha Nurminen: Die Entdeckung der Arktis. Aus dem Englischen von S. Gruber, B. Lössl, F. Berger. Theiss Verlag 2010, 352 Seiten, 49,90 Euro.

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