Welt : Letzter Weg für den Schützling: Immer mehr Haustiere werden bestattet

Aliki Nassoufis[dpa]

Bonn/Mannheim Der letzte Weg für Haustiere ist meist alles andere als feierlich - landen sie doch nach ihrem Tod meist in einer Tierkörperbeseitigungsanlage. Immer mehr Halter entscheiden sich mittlerweile aber anders: Sie wünschen sich für Hund, Katze, Vogel oder Nager eine Bestattung. «Haustiere sind meist langjährige Freunde und Familienangehörige geworden», sagt Steffen Seckler vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. «Und wenn sie sterben, sollen die Menschen auch die Möglichkeit haben, angemessen Abschied zu nehmen.»

Knapp 3000 Haustiere sterben pro Tag in Deutschland, wie der Bundesverband der Tierbestatter (BVT) in Berlin mitteilt. Die meisten davon werden bislang vom Halter selbst oder vom Tierarzt in eine Tierkörperbeseitigungsanlage gebracht und dort weiterverarbeitet - zu Wolle, zu Leim oder auch zu Gelatine. «Nur rund 10 Prozent werden beerdigt», sagt Peter Schmidt, Vorsitzender des BVT, - bei allerdings steigender Tendenz.

Wer seinen Schützling beerdigen möchte, kann das unter bestimmten Bedingungen selbst im eigenen Garten tun. Voraussetzung ist, dass das Haustier eine Schulterhöhe von maximal 30 Zentimetern hat. «Das Grab darf außerdem nicht in einem Wasserschutzgebiet oder in unmittelbarer Nähe von öffentlichen Wegen und Plätzen liegen», sagt Seckler. «Außerdem muss der Körper mindestens 50 Zentimeter mit Erde bedeckt sein.» In der freien Natur darf man das Tier nicht begraben.

Ist eine Beerdigung auf dem eigenen Grundstück nicht möglich, oder möchte der Halter seinen Schützling nicht selbst zu Grabe tragen, wendet er sich an einen Tierbestatter in seiner Nähe. Eine Liste findet sich auf der Webseite des BVT unter www.bvt-tierbestatter.de.

Dabei muss sich der Halter zwischen zwei Arten der Bestattung entscheiden, bei denen es jeweils möglich ist, das Tier aufzubahren und einen letzten Blick auf es zu werfen: zwischen der Feuer- oder der Erdbestattung. Letztere ist zumindest in einigen größeren Städten auf speziellen Friedhöfen oder - unter den genannten Umständen - im eigenen Garten möglich.

«Generell geht der Trend aber ganz klar zur Feuerbestattung», sagt Schmidt. Derzeit gibt es deutschlandweit sechs Krematorien, in denen Tiere je nach Größe gegen eine Gebühr in Höhe von 150 bis 300 Euro verbrannt werden. «Mit der Urne bieten sich schließlich noch andere Möglichkeiten», sagt Peter Schmidt. Das Gefäß, das meist aus Kupfer oder Keramik, aber auf Wunsch auch aus Materialien wie Marmor besteht, lasse sich nicht nur vergraben: «Man kann sich auch zu Hause eine persönliche Gedenkecke einrichten.»

Auf dem Friedhof des Berliner Tierheims werden überwiegend Hunde und Katzen beerdigt, sagt die Sprecherin der Einrichtung, Evamarie König. «Doch es gibt auch Halter, die ihre Hamster, Meerschweinchen oder Ratten zu Grabe tragen.» Sogar ein Leguan habe dort seine letzte Ruhe gefunden.

Die Kosten für eine dreijährige sogenannte Grabpacht beginnen auf dem Friedhof des Berliner Tierheims bei 90 Euro für ein Urnen- oder Kleintiergrab und steigen bei großen Hunden auf bis zu 150 Euro. Auf anderen Friedhöfen kann aber durchaus mehr Geld fällig werden. «Nach Ablauf der drei Jahre kann man das Grab bei uns auch immer wieder für zwei Jahre verlängern», sagt Evamarie König.

Für eine Erdbestattung bleibt der Körper häufig beim Tierarzt. Im Fall des Berliner Tierheims kann der tote Schützling auch direkt dort abgegeben werden. «Bis zur Bestattung vergehen dann meist höchstens zwei Tage», erläutert König. Die Zeremonie sei eine vergleichsweise kurze Angelegenheit: «Meist werden die Tiere zur Bestattung in eine Decke gehüllt und dann ins Grab gelegt.»

Es muss allerdings nicht die Decke sein, in der das geliebte Tier zu Grabe getragen wird. Der Halter kann bei beim Bestatter auch einen Sarg kaufen. «Der kostet zwischen 50 und 500 Euro», sagt Schmidt. «Das richtet sich nach der Größe und dem Material, das von gepresster Pappe bis zu Massivholz reicht.» Zudem gebe es gepolsterte und mit Stoff ausgeschlagene Särge mit den unterschiedlichsten Verzierungen und Bemalungen - zum Beispiel mit Regenbogen, Schmetterlingen oder sogar glitzernden Steinen.

Die Tierfriedhöfe unterscheiden sich von den Begräbnisorten für Menschen: «Das ist alles viel verspielter und bunter dort», sagt Bestatter Peter Schmidt. Neben Blumen und Grabsteinen finden sich auf den Grabstellen häufig auch Fotos der Tiere oder deren einstige Lieblingsspielzeuge - sofern sie nicht mit ins Grab gelegt wurden. (dm/dpa)

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