Welt : Leute

Marcel Reich-Ranickis Verriss von Ulla Hahns neuem Roman "Das verborgene Wort" im "Literarischen Quartett" hat zu zahlreichen Reaktionen geführt. Unter anderem zeigte sich die Deutsche Verlagsanstalt irritiert, bei der sowohl Ulla Hahn wie auch Reich-Ranicki publizieren. Für den Verlag kam der Verriss "wie aus heiterem Himmel". Geschäftsführer Jürgen Horbach, der sich zwischen beiden Autoren in einer "sehr komplizierten" Lage sieht, sagte: "Für den Verlag ist das wirklich nicht lustig. Wir hatten deutliche Anzeichen, dass das Buch gut besprochen wird. Ich kenne niemanden, der das, was dann geschah, erfreulich fand." "Das Buch als leises Medium braucht eine so polarisierende Persönlichkeit wie Reich-Ranicki - als wunderbare große Werbetrommel", meint der Sprecher der Verlagsgruppe Random House, Theo Schäfer. Die Kritik an Hahns Roman könne er "nicht ganz nachvollziehen", aber einem "Kritiker kann man nicht vorwerfen, dass er ein Buch verwirft". Ulla Hahn hatte Reich-Ranicki vorgeworfen, ihren neuen Roman "unsachlich, unfair und böswillig" verrissen zu haben. Sie empfinde die Kritik "als einen Vernichtungsversuch, der mich sehr verletzt". Reich-Ranicki hatte vor vielen Jahren Ulla Hahns Lyrik hoch gepriesen und damit zur Bekanntheit der preisgekrönten Dichterin beigetragen. Von diesem Lob nehme er kein Wort zurück, betonte Reich-Ranicki am Sonntag. Zu ihrem ersten Roman habe er bewusst nichts gesagt, zu ihrem jetzt erschienenen zweiten könne er aber nicht mehr schweigen, sagte Reich-Ranicki. Dies sei kein Roman, sondern der Bericht eines infantilen, pubertären Mädchens, deshalb höchstens für weibliche Leser von Interesse. "Wir Autoren nehmen Reich-Ranicki als Kritiker nicht mehr ernst, aber wir fürchten seine Macht", sagte Hahn.

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