Welt : LEUTE

Heute aus Rom

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Viktor Emanuel von Savoyen , Sohn des letzten italienischen Königs, ist in der Nähe des Comer Sees wegen krimineller Machenschaften verhaftet worden. Der Fall erschüttert ganz Italien. Die Ermittlungen wegen Betrugs, Glücksspiels und Ausbeutung von Prostitution ziehen immer weitere Kreise. Wie das staatliche italienische Fernsehen am Samstag meldete, ist auch der ehemalige bulgarische König Simeon II. in die Ermittlungen verwickelt. Der Adlige aus dem Hause Sachsen-Coburg-Gotha, der von 2001 bis 2005 in Sofia Ministerpräsident war, ist ein Vetter Viktor Emanuels. „Spielautomaten, Geschäfte und Sex, er war der Anführer“, titelte der „Corriere della Sera“ am Samstag. Verwickelt sei auch der Sprecher des ehemaligen Außenministers Gianfranco Fini . „Ich bin total bestürzt“, sagte Viktor Emanuels Sohn Emanuel Filiberto . „Sie haben ihn abgeholt wie einen Banditen.“ Anschließend wurde Viktor Emanuel mit einer Polizeieskorte durch das ganze Land bis ins Gefängnis von Potenza im Süden gebracht. Es gebe Probleme, in Potenza notwendige Medikamente für den gesundheitlich Angeschlagen aufzutreiben, sagte ein Sprecher der Familie. Sohn Filiberto drohte einen Hungerstreik an. Die Nachricht über die Verhaftung schlug in Italien wie eine Bombe ein – zeitweise verdrängte der Prinz in der Gefängniszelle sogar die Nachrichten über die „Squadra azzurra“ bei der Fußball-WM in die zweite Reihe. Viktor Emanuel war erst vor vier Jahren mit seiner Ehefrau Marina Doria und seinem Sohn nach 56 Jahren Exil nach Italien zurückgekehrt. Er ist der Sohn des letzten italienischen Königs Umberto II. , der nach dem Zweiten Weltkrieg abdanken musste, weil das Königshaus sich mit Diktator Mussolini eingelassen hatte. Zugleich provozierte die Verhaftung Streit. In Kreisen der Christdemokraten hieß es, das schade dem Ansehen Italiens: „Man inhaftiert keinen König“. dpa

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