Libyen : Flugzeug mit 104 Menschen abgestürzt - Junge überlebt

Über der libyschen Hauptstadt Tripolis ist ein Passagierflugzeug mit 104 Menschen an Bord abgestürzt. Nur ein kleiner ein Junge aus den Niederlanden überlebte. Unter den Opfern sind mindestens zwei Deutsche.

Bei dem Unglück in Libyen starben 103 Menschen.
Bei dem Unglück in Libyen starben 103 Menschen.Foto: dpa

Bei dem Flugzeugunglück in Libyen sind nach neuen Erkenntnissen zwei Deutsche ums Leben gekommen. Die Todesopfer seien ein 58-jähriger Mann aus Hessen und ein 41-jähriger Doppelstaatler, der seit vielen Jahren in Südafrika gelebt habe, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Freitag in Berlin. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es weitere deutsche Opfer gebe. Dafür gebe es aber momentan keine Hinweise, fügte der Sprecher hinzu. Die deutschen Botschaften in Südafrika und Libyen stehen demnach weiter in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden.

Libyschen, britischen und niederländischen Behörden zufolge sind unter den Opfern 61 Niederländer, 13 Libyer, mindestens ein Brite und Südafrikaner. Dem Verkehrsminister Zidan zufolge stammen die Opfer aus insgesamt neun Ländern, darunter auch Frankreich, Finnland, Simbabwe und die Philippinen. Viele der Passagiere wollten von Johannesburg via Libyen nach London, Brüssel, Düsseldorf oder Paris fliegen.

Der Zustand des Kindes, das das Unglück überlebt hat, sei stabil, es habe Knochenbrüche und Blutergüsse erlitten, sagte ein Krankenhaus-Mitarbeiter. Der niederländische Sender RTL Nieuws veröffentlichte auf seiner Website ein Video, das den Jungen im Krankenbett zeigt. Ein libyscher Arzt erklärt darin, das Kind habe sich beide Beine gebrochen. Sein Zustand sei aber stabil. Der Junge trägt einen Kopfverband und eine Sauerstoffmaske. Er hat die Augen geöffnet und steht offensichtlich unter Schock. Der niederländische Junge soll einem Sprecher am Flughafen zufolge neun Jahre alt sein.

Die meisten Passagiere waren auf dem Weg nach Europa

Sah man den Helfern zu, die im Sand zwischen verbogenen grünen Sitzen, verstreuter Kleidung und winzigen Metallteilen nach den sterblichen Überresten der Opfer suchten, fiel es schwer zu glauben, dass überhaupt jemand dieses Unglück überleben konnte. Traurig ragte das bunt lackierte, abgerissene Seitenleitwerk der Maschine in die Luft. Am Nachmittag erklärte ein Sprecher der Fluggesellschaft Afriqiyah Airways die Bergungsarbeiten für beendet. Die Helfer - Männer mit Atemschutzmasken und Frauen mit Kopftüchern - zogen sich zurück.

Die Maschine vom Typ Airbus A330-200 war am Morgen während des Anflugs knapp neben die Landebahn des Flughafens von Tripolis gestürzt, der etwa 25 Kilometer südlich des Stadtzentrums liegt. Der Rumpf des Flugzeuges zerbarst. Die Ursache des Unglücks blieb zunächst unklar. Einen Terroranschlag schlossen die libyschen Behörden aus. Ein Augenzeuge will gesehen haben, wie kurz vor dem Aufprall Flammen aus einem Triebwerk schlugen.

An Bord waren nach Auskunft der Fluggesellschaft 11 libysche Besatzungsmitglieder und 93 Passagiere. Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende sagte vor der Presse in Den Haag, er sei von den Berichten aus Libyen „geschockt“. Mitarbeiter der Botschaft in Tripolis seien am Flughafen, um Hilfe zu leisten und Informationen zu sammeln. Königin Beatrix sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus.

Das Flugzeug der 2001 gegründeten libyschen Fluggesellschaft Afriqiyah Airways war am Dienstagabend in Johannesburg gestartet. Es war der erste schlimme Unfall einer Maschine dieser Gesellschaft, die nach Angaben der Europäischen Agentur für Flugsicherheit mit Sitz in Köln mehrere Sicherheitstests bestanden hatte.

Im libyschen Fernsehen wurde gezeigt, wie an der weiträumig abgesperrten Unglücksstelle der Flugdatenschreiber und der Stimmenrekorder geborgen wurden. Berichte, wonach kurz vor der Landung ein technischer Defekt festgestellt worden sein soll, bestätigten die Behörden nicht. Der Flugzeughersteller Airbus versprach, die Luftfahrtbehörde bei der Untersuchung des Unglücks zu unterstützen und schickte ein Expertenteam nach Tripolis. (dpa)

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