• Lichtscheue Blütenschönheit vom Kap Clivien wuchsen einst nur im südlichen Afrika

Welt : Lichtscheue Blütenschönheit vom Kap Clivien wuchsen einst nur im südlichen Afrika

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Die Clivie gehört zu den beliebtesten Zimmerpflanzen. Foto: Tassilo Wengel
Die Clivie gehört zu den beliebtesten Zimmerpflanzen. Foto: Tassilo Wengel

Clivien – auch Riemenblatt genannt – gehören schon lange zu den beliebtesten Zimmerpflanzen. Es war in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als aus Südafrika eine Pflanze nach England kam, die bald zu einer sehr bedeutungsvollen Zimmerpflanze wurde. Ihren Namen erhielt sie nach Charlotte Florentia Percy, der Herzogin von Northumberland, die 1787 als Lady Charlotte Florentia Clive geboren wurde und 1866 starb. Sie war die Gouvernante der künftigen Königin Viktoria von England und befasste sich mit der Pflege südafrikanischer Pflanzen.

Die Gattung Clivia gehört zur Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) und umfasst drei Arten, die alle in Südafrika beheimatet sind.

Ein unauffälliger Winterblüher mit schmalen Blättern und orangefarbenen Blüten ist Clivia gardenii aus Transvaal. Sie findet man in unseren Breiten nur in botanischen Gärten. Attraktiver ist die zweite Art, die Edle Clivie (Clivia nobilis) aus dem Kapland. Sie entfaltet im Herbst an einem 35 bis 40 Zentimeter hohen Schaft hängende rote Röhrenblüten. Obwohl sie recht ansehnlich sind, findet man diese Art vorwiegend in botanischen Gärten. Als Topfpflanze kultivierte Clivien stammen von Clivia miniata ab, die in Natal vorkommt. Sie hat lange, schmale Blätter und prachtvolle Blütenstände, die aus mehreren Einzelblüten in mennigroter Farbe bestehen. Am natürlichen Standort in Afrika wachsen die Clivien in Lehmboden mit etwas Schotter und einer starken Humusdecke. Der Vegetationsrhythmus gliedert sich in eine Wachstumsperiode mit Temperaturen über 20 Grad Celsius sowie reichlichen Niederschlägen und eine kühle Trockenperiode mit Temperaturen um 10 Grad Celsius.

Aus diesem natürlichen Rhythmus leiten sich auch die Kulturbedingungen für Clivien als Topfpflanzen ab. Einer warmen, feuchten und schattigen Wachstumsperiode im Frühjahr und Sommer folgt eine Ruheperiode mit mäßigen Temperaturen und Wasserentzug in den Herbst- und Wintermonaten.

Deshalb gedeihen Clivien am besten während der Wachstumsperiode an einem hellen, aber vor direkter Sonneneinstrahlung geschützten Platz bei sommerlichen Temperaturen. Günstig ist auch ein geschützter Platz im Garten oder auf dem Balkon. In dieser Zeit hält man das Substrat immer gleichmäßig feucht und düngt alle zwei Wochen mit einem Volldünger. Wenn die Temperaturen ab September allmählich sinken, beginnt die Ruheperiode. Man hält die Pflanzen trockener und düngt auch nicht mehr.

Bereits während der Wachstumsphase werden Blütenanlagen automatisch in den Blattscheiden angelegt, verharren aber in einem Ruhezustand. Erst die niedrigen Temperaturen sorgen dafür, dass die bereits vorgebildeten Blütenanlagen stimuliert und dieser Ruhezustand aufgehoben wird. Allmählich strecken sich die Blütenanlagen und entwickeln sich zu einem Blütenstand. Steht die Pflanze auch im Winter bei Temperaturen über 20 Grad Celsius, werden die Blütenanlagen nicht aus dem Ruhezustand erweckt und die Clivie blüht nicht. Deshalb ist eine Absenkung der Temperatur für einige Wochen nötig.

Bei Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius benötigt die Clivie eine Kühlperiode von etwa 6 Wochen. Deshalb ist es günstig, die Pflanze im Herbst möglichst lange im Freien stehen zu lassen. Allerdings müssen sie unbedingt vor Nachtfrösten geschützt werden. Liegen die Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad Celsius wie in kühlen Wintergärten oder Treppenhäusern, benötigt die Pflanze rund drei Monate, um die Blühinduktion hervorzurufen. Das Verpflanzen und Teilen der Clivie erfolgt alle zwei bis drei Jahre. Da die Pflanze im Laufe der Jahre zahlreiche Seitensprosse an der Basis bildet, entstehen schöne große Tuffs. Diese entwickeln bei optimaler Kultur – wie beschrieben – zahlreiche Blütenstände, so dass eine prachtvolle Pflanze mit vielen Blüten das Ergebnis ist. Deshalb muss man die Seitensprosse beim Verpflanzen nicht abtrennen. Als Substrat verwendet man eine nahrhafte, lehmhaltige Erde mit einem pH-Wert um 6.

Die Vermehrung durch Samen ist möglich. Gleich nach der Ernte sät man den reifen Samen in kleine Töpfe oder in Schalen bei einem Abstand von fünf Zentimeter. Dazu verwendet man ein Torfmull-Sand-Gemisch und hält sie bei Temperaturen um 20 Grad Celsius gleichmäßig feucht. Die jungen Sämlinge können ein Jahr im Aussaatgefäß bleiben und werden im darauffolgenden Frühjahr einzeln in kleine Töpfe gepflanzt. Tassilo Wengel

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