• Ließ Weltraummüll die Columbia abstürzen? Nasa geht Verdacht nach – Envisat wurde fast von Schrottteil getroffen

Welt : Ließ Weltraummüll die Columbia abstürzen? Nasa geht Verdacht nach – Envisat wurde fast von Schrottteil getroffen

Joachim Mahrholdt

Seitdem die Möglichkeit einer Beschädigung des Spaceshuttles durch ein beim Start abgesprengtes Stück der Tankisolierung von Experten als wenig wahrscheinlich eingeordnet wird, geht die Nasa jetzt verstärkt dem Verdacht nach, dass eine Kollision mit Weltraummüll Ursache der Katastrophe sein könnte. Das Problem von kleinsten bis tonnenschweren Gegenständen im Orbit ist seit langem bekannt, aber heute größer denn je. Erst am vergangenen Mittwoch wäre der europäische Umweltsatellit Envisat fast von einem gigantischen Schrottteil getroffen worden.

Europa hatte noch einmal Glück. Die Kollision des omnibusgroßen Vorzeigesatelliten der Esa wäre das Aus für den über zwei Milliarden Euro teuren Envisat gewesen. In nur einem Kilometer Entfernung raste er an der Oberstufe einer Thor-Agena-Rakete vorbei, die im Jahre 1962 gestartet worden war. Damals begann für die USA die Ära der bemannten Raumfahrt mit dem Start des ersten US-Astronauten John Glenn.

Bei der Esoc in Darmstadt, die den Umweltsatelliten kontrolliert, nimmt man die Gefahren durch Schrott im Orbit außerordentlich ernst. Mit 14 Kilometern pro Sekunde oder einer Geschwindigkeit von 50 000 Stundenkilometern waren die beiden Objekte in 800 Kilometer Höhe aufeinander zugerast. Walter Flury, Weltraummüll-Experte der Esoc, hatte eine Begegnungsdistanz von nur 91 Metern erwartet. Es waren schließlich 1000 Meter. Eine Bahnkorrektur des Satelliten sei deshalb nicht nötig gewesen. Zum Vergleich: In der Luftfahrt gilt schon eine Annäherung zweier Verkehrsflugzeuge auf zwei Meilen (ca. 3,5 Kilometern) als gefährlich, als „near miss“. Diese Maschinen fliegen aber „nur“ etwa 900 Stundenkilometer schnell.

Flury hält es durchaus für denkbar, dass die „Columbia“ mit einem künstlichen oder einem natürlichen Objekt zusammengestoßen ist. Die etwa 10 000 Gegenstände über zehn Zentimeter Größe habe man in der besonders kritischen Höhe zwischen 200 und 2000 Kilometer mittels Radar weitgehend unter Kontrolle, so dass man nötigenfalls ausweichen könne. Kleinteile zwischen einem und zehn Zentimeter Größe könne man jedoch nicht erfassen. Das Spaceshuttle flog 16 Tage lang in ca. 280 Kilometer Höhe. Sollte es während der Mission von solch einem kleineren Teil getroffen worden sein, hätte das die Hitzeschutzkacheln durchaus ernsthaft beschädigen können, ohne dass es hätte bemerkt werden müssen, schätzt Flury.

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