Liselotte Pulver : Gnadenlose Zeiten

Ihr Lachen ließ die Deutschen in den 50er Jahren die Vergangenheit vergessen – heute feiert Liselotte Pulver ihren 80. Geburtstag.

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Ein bisschen Bitterkeit. Liselotte Pulver 2007 in Berlin. Foto: ddpddp

Ihr herzhaftes, offenes und ansteckendes Lachen – es muss ein Trost für die Deutschen in den Jahren nach dem Krieg gewesen sein. Die Herzen flogen ihr zu. Vor allem ihre Unbekümmertheit, ihre grundlose Heiterkeit, ihre Frische ließen die junge Vergangenheit vergessen, damals in den 50er Jahren. Dieses Lachen wurde zum Markenzeichen der Liselotte Pulver und es wurde zu ihrem Erfolgsrezept. Das Markenzeichen hat sie immer gepflegt, im vollen Bewusstsein, dass damit ihre schauspielerischen Qualitäten in den Hintergrund gedrängt würden. Wer aber ihre Karriere genau in Erinnerung behielt, der teilte Nachgeborenen gerne mit, wie sie brillierte am Zürcher Schauspielhaus und auf den Bühnen in München, Salzburg und Berlin. Auch mehrere Filmrollen belegten ihre Fähigkeiten als Charakterdarstellerin. Aber es war nicht das ernste Fach, das dem Publikum in Erinnerung blieb, es war die Komödiantin. Ihr erster Riesenerfolg „Ich denke oft an Piroschka“, Filme wie „Die Zürcher Verlobung“, „Wirtshaus im Spessart“ – sie prägten das Bild, das die Deutschen von ihr hatten. Diese Deutschen waren ihr wichtigstes Publikum. Sie selbst wurde dabei auch als Deutsche wahrgenommen, obwohl sie in Wirklichkeit eine Schweizerin war, mehr noch, eine Bernerin. Dort ist sie geboren, dort lebt sie auch heute, in einem Altersruhesitz.

Fassbinder hat sie einmal eine Knattermimin genannt. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel sagte sie vor Jahren, das sei eigentlich ein Kompliment. Sie nahm alles von der positiven Seite, dabei lief nicht alles gut in ihrem Leben. Schwere private Schicksalsschläge, der furchtbare Tod ihrer Tochter, der Tod ihres Mannes, ihr Karriereknick. Beim damals „jungen deutschen Film“ galt sie als Vertreterin einer Ära, die alle vergessen wollten. Altbackene Klamotten wie „Kohlhiesls Töchter“ verbauten ihr alle Chancen, auf den neuen Zug aufzuspringen.

Franzosen und Amerikaner hatten ihr dagegen ernste Rollen angeboten. Sie selbst hat sich dabei versehentlich eine Weltkarriere verbaut, als sie wegen vertraglicher Gebundenheit die Rolle neben Charlton Heston in „El Cid“ absagen musste. Als Ersatz für sie kam Sophia Loren. Dafür spielte Liselotte Pulver später in Jaques Rivettes „Die Nonne“. Der Film machte 1966 in Cannes Furore, ihre Rolle als lesbische Äbtissin gilt als ihr schauspielerischer Höhepunkt. In Deutschland aber nahm das kaum jemand wahr. Dafür bot man ihr hier im Jahr drauf eine Rolle in „Herrliche Zeiten im Spessart“ an. Für Liselotte Pulver waren es gnadenlose Zeiten. Ihre knallige Marylin-Monroe-Parodie in Billy Wilders Berlin-Satire „Eins, zwei, drei“, deren Aufführung und Erfolg 1961 durch den Mauerbau verbaut wurde, erlangte erst in den späteren 80er Jahren Kultstatus.

Nach ihren Auftritten in der Sesamstraße wurde es sehr ruhig um sie. 2007 trat sie nach langer Zeit erstmals wieder in der Öffentlichkeit auf, als sie die „Goldene Kamera“ für ihr Lebenswerk bekam. Eigentlich sei sie „die Knallcharge des deutschen Films“ gewesen, sagte sie bei diesem Anlass. Da schwang ein bisschen Bitterkeit mit. Heute feiert Liselotte Pulver ihren 80. Geburtstag. os

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