Welt : Lokführer mißachtete ein Signal

Unglücksserie wirft Fragen auf HANNOVER (AP).Vor dem schweren Unglück von Hannover hat der Lokführer des Güterzuges ein Signal mißachtet.Statt eine Vollbremsung einzuleiten, habe der 48jährige den Zug mit 22 Kesselwagen sogar noch auf rund 90 km/h beschleunigt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.Sie leitete ein Ermittlungsverfahren ein.Hinweise auf technischen Defekt gebe es nicht.Trotz einer automatischen Vollbremsung war der Zug am Dienstag frontal gegen den Regionalexpress 5354 nach Celle geprallt.51 Menschen wurden verletzt. Hannover, Elsterwerda, Marburg, Frankfurt-Süd: Die spektakulären Unfälle mit Güterzügen der Bahn in diesem Jahr haben die Frage nach der Sicherheit vor allem von Gefahrguttransporten wieder aufgeworfen.Das Unternehmen sei mit der Bahnreform und der mit aller Macht vorangetriebenen Marktorientierung anscheinend überfordert, erklärte die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion, Gila Altmann, in Bonn. Völliger Unsinn, sagen Bahn AG und Eisenbahnbundesamt."Wir hatten in diesem Jahr drei Unfälle mit Gefahrgut", sagt Michael Adam von der DB Cargo.Das sei bei rund 18 000 solcher Züge jährlich eine Unfallrate "im unteren Promillebereich"."Die Sicherheitsstandards sind seit Beginn der Bahnreform nicht gesunken", sagt Mark Wille vom Eisenbahnbundesamt.Die Zahl der Unfälle mit Toten und Verletzten sei seit Jahren rückläufig.Daher könne aus den schweren Unfällen dieses Jahres keine Tendenz abgeleitet werden. Rückendeckung erhält das bundeseigene Unternehmen außerdem von Gewerkschaftsseite, die den massiven Stellenabbau seit Jahren kritisch verfolgt."Es ist völlig überzogen zu behaupten, daß die Personalentwicklung bei der Bahn zu Unfällen führe", erklärt der Sprecher der Eisenbahnergewerkschaft GdED, Kummer.Schiff und Bahn seien die bei weitem sichersten Verkehrsmittel.Die GdED nimmt das Unglück von Hannover zum Anlaß, den flächendeckenden Einsatz eines modernisierten automatischen Bremssystems zu fordern.

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