Lotto-Jackpot : Was sind schon zwei Millionen?

Lotto-Helmut Schümann
Helmut Schümann HP mit Kontur

Auf den flüchtigen Blick ist es nur verständlich, dass die Leute am Mittwoch wie blöde zu den Lottoannahmestellen wetzen, um noch schnell vor 18.15 Uhr ihren Schein loszuwerden. Gute Güte, 30 Millionen Euro, das ergibt erst einmal ein rauschendes Fest, dann ein paar Geschenke, Reisen, Häuser, Autos und für Oma bleibt auch noch was – kommt ja ohnehin in absehbarer Zeit zurück. Ja, 30 Millionen Euro auf einen Schlag, da kann man doch leicht den Verstand verlieren. Und heute Abend, 18.50 Uhr, ist es dann so weit. Dann wird der Jackpot, wenn nicht geknackt, so doch dann zwangsausgeschüttet, wie man das nennt. Eigentlich müsste es ja ausgezahlt heißen, aber wer wird schon pingelig mit der Formulierung sein, wenn über ihn 30 Millionen Euro ausgeschüttet werden. Wetten, dass morgen wieder die Warner auftauchen, die Vernunftbegabten, die dringend anraten, in aller Bescheidenheit und Demut und im Verborgenen ja nicht zu prassen. Man kennt ja all die Geschichten, Geschichten voller Tragik, die alle damit enden, dass Geld nicht glücklich macht. Allen voran weiland Lotto-Lothar, der es vom Sozialhilfeempfänger zum Lamborghini brachte, dann zur champagnergetränkten Fettleber und schließlich ins Grab sank. Ja, ja, Geld macht nicht glücklich, sagen die, die es haben.

Erstaunlicherweise hört man nie Geschichten von Lottogewinnern, denen nichts zu Kopf stieg, sondern nur das Konto anschwoll. Es muss sie aber geben, nur dass über die schwerlich der moralische Zeigefinger zu heben ist. Und deswegen rennen die Leute heute wie blöde zu den Lottoannahmestellen, um sich die 30 Millionen zu sichern und sie selber werden natürlich nie so blöde sein wie Lotto-Lothar.

Es müssen dies, und damit ist man dann beim zweiten Blick, es müssen dies alles Menschen sein, die so einen Lottogewinn gar nicht nötig haben. Weil, in der Regel ist beim Lotto schnell mal ein Milliönchen zu haben, nahezu jeden Mittwoch, jeden Samstag hat man die, zugegeben, geringe Chance, auch ohne hysterischen Jackpot eine Million oder zwei, drei Millionen abzugreifen. Aber das interessiert die Leute nicht. Wahrscheinlich, weil sie zwei, drei haben. Also, unsereins wäre ja auch mit zwei, drei Milliönchen zufrieden, Oma würde auch etwas abkriegen, ist ja auch noch ganz rüstig. Und vom Rest lassen sich auch noch ein paar Tage Urlaub machen. Aber so sind die Leute, gierig ohne Ende, können den Hals nicht voll kriegen, aber nun haben wir keine Zeit mehr über die Verderbtheit der Menschen nachzudenken, wir haben noch einen Termin, müssen noch einen Schein abgeben.Lotto-Helmut Schümann

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