Welt : Lotto-Spieler müssen teilen

MÜNSTER/MÜNCHEN (dpa).Zwei Lotto-Spieler aus Bayern und Nordrhein-Westfalen haben am Wochenende den 35,8-Millionen-Jackpot im Sonnabendlotto geknackt.Nach Angaben von WestLotto-Sprecher Klingenfuß bekommt jeder der beiden Systemspieler nun mindestens 17,9 Millionen Mark.16 andere Lottospieler können in der Gewinnklasse II mit je 880 000 Mark rechnen.Sie hatten zwar auch einen "Sechser", aber die falsche Superzahl auf ihrem Schein.

Die Jackpot-"Knacker" hatten für ihre Supertips eine Erfolgschance von nur eins zu 140 Millionen.Der Spielumsatz sei im Vergleich zu normalen Wochen um 116 Prozent auf 280,7 Millionen Mark gestiegen.

Einer der beiden Super-Gewinner kommt aus dem Rheinland.Er setzte insgesamt 1155 Mark ein und knackte den Jackpot mit dem "System 012".Dabei sucht sich der Spieler zwölf Zahlen aus.Der Computer legt sie automatisch in 924 Spielreihen um.Damit werden alle Kombinationsmöglichkeiten mit diesen zwölf Zahlen gespielt.Der Gewinner aus dem Rheinland kann damit zusätzlich noch rund 300 000 Mark einstreichen.Denn neben dem Jackpot-Gewinn hat er noch 36 "Fünfer" (Gewinnklasse IV), 225 "Vierer" (Gewinnklasse V) und 400 "Dreier" (Gewinnklasse VII).Sein Gesamtgewinn beträgt exakt 18 201 279,20 Mark.

Mit einem sehr viel geringeren Einsatz gelang dem zweiten Gewinner in Bayern der große Wurf.Sein Tippschein - er wurde in München abgegeben - hatte nur 35 Mark gekostet.Der noch unbekannte Glückspilz spielte mit einem sogenannten Vollsystem ("6 aus 8") 28 Tippreihen und kassiert nun für jede eingesetzte Mark über eine halbe Million Mark Gewinn.Bei der Lotterieverwaltung in München wartete man aufgeregt auf seinen Anruf."Er hat sich noch nicht gemeldet", berichtete Sprecher Hans-Wilhelm Forstner, der selbst drei Richtige getippt hat.

Der Jackpot-"Knacker" aus Bayern hatte gegen Quittung einen anonymen Schein abgegeben.Damit die Lotterieverwaltung den Namen des mehrfachen Lotto-Millionärs und seine Adresse erfährt und ihn benachrichtigen kann, hätte er auch eine Kundenkarte ausfüllen müssen."Vielleicht war es ja ein Tourist", meinte Forstner.

Der Jackpot war der zweitgrößte in der deutschen Lottogeschichte.4,25 Millionen Fernsehzuschauer hatten am Sonnabend abend live die Ziehung der Zahlen verfolgt.Die Glückszahlen lauteten 7 - 11 - 15 - 22 - 37 - 39, Superzahl 3 (Ohne Gewähr).Wie Klingenfuß erläuterte, sind diese Zahlen "breit gestreut, sie enthalten weder Zwillings- noch Drillingszahlen, noch ist irgendein Strickmuster erkennbar".Die Ende 1991 eingeführte Superzahl ist die letzte Ziffer der Losnummer für Spiel 77 und Super 6.

Der bisher "dickste" Jackpot von 42,3 Millionen Mark wurde am 10.September 1994 geknackt - von vier Gewinnern.An diesem Tag hatte der Lottoblock auch den bisher höchsten Spieleinsatz im Sonnabendlotto verbuchen können - insgesamt 345,4 Millionen Mark.Der mit Abstand höchste Einzelgewinn - 20,5 Millionen Mark - wurde kurz vor Weihnachten 1994 auf ein Konto in Hessen überwiesen.

Die geringste Spielsumme für sechs Richtige ergab sich am 18.Juni 1997.Damals hatten 205 Tipper mit den holländischen Lottozahlen der Vorwoche nur rund 30 700 Mark gewonnen.222mal sechs Richtige gab es am 23.Januar 1988.Die Gewinnquote betrug damals knapp 85 000 Mark.Alle Spielteilnehmer hatten eine "Doppeldrei" getippt, also in einem Kästchen zweimal drei Zahlen übereinander.Andere "Strickmuster" sind insbesondere bei Gesellschaften beliebt.Die Gewinnsumme muß dann oft durch sehr viele Spieler geteilt werden, so am 4.Oktober 1997.Damals hatten 124 Tipper aus Kreuzen ein "U" gebildet.Für sechs Richtige erhielten sie nur 54 000 Mark.

Lottogewinne sind grundsätzlich steuerfrei.Die aus der Anlage des Lottogewinns entstehenden Erträge müssen allerdings ganz normal als Einkommen versteuert werden.

Wie es den Jackpot-Knackern ergeht, kann Westlotto-Berater Willers aus eigener Erfahrung als Glücksbote nachvollziehen."Ich hatte schon mal einen Gewinner, der 16,4 Millionen gewonnen hatte.Die Reaktionen sind viel weniger spektakulär als man erwartet.Die Jubelschreie oder Freudentänze, die man erwartet, die finden nicht statt." Die Spieler seien zumindest äußerlich relativ ruhig.

Willers hat Verständnis dafür.Schließlich stünden die Gewinner vom Moment der Ziehung an unter großem Druck und vor vielen offenen Fragen."Der Gewinnbetrag ist meist ein Schock, zwar positiv, aber ein Schock", sagt er.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben