Loveparade : Ruhrgebiet "genauso sexy wie Berlin"?

Das Loveparade zieht ins Ruhrgebiet und soll Klischees wegräumen helfen. Die Veranstalter rechnen in Essen mit über 1,2 Millionen Besuchern.

Frank Bretschneider[ddp]
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Von Berlin in den Pott: Die Loveparade zieht um. -Foto: ddp

EssenDas Ruhrgebiet rüstet sich für die am 25. August in Essen stattfindende Loveparade und sieht in der weltgrößten Technoparty eine internationale Werbeplattform für die Region. "Ich erwarte einen Aufmerksamkeitsschub für Essen und das gesamte Ruhrgebiet", sagte Essens Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger (CDU) am Donnerstag. Die "Vitalität" des Ruhrgebiets sei wie geschaffen für eine Veranstaltung, die "Ausdruck der Lebensfreude" sei.

Bislang war Berlin feste Heimat der erstmals 1989 veranstalteten Loveparade. Die Verhandlungen zwischen den Organisatoren und dem Berliner Senat über eine Fortführung der Loveparade waren aber zuletzt gescheitert. 2004 und 2005 war die Loveparade ausgefallen.

Besucherzahl von 2006 soll übertroffen werden

Die zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 gekürte Reviermetropole Essen ist erster neuer Austragungsort der Loveparade, nachdem deren Veranstalter der Hauptstadt Berlin den Rücken gekehrt haben. Dortmund, Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen folgen in den Jahren danach. Loveparade-Geschäftsführer Reiner Schaller rechnet damit, zum Auftakt die 2006 in Berlin nach seinen Angaben erreichte Besucherzahl von rund 1,2 Millionen zu übertreffen.

Die Essener Loveparade, deren Motto in Kürze bekannt gegeben werden soll, wird den Plänen zufolge Herzstück eines viertägigen, städteübergreifenden "Love Weekend". Von Donnerstag, 23. August, bis Sonntag, 26. August, wollen in den Clubs und Veranstaltungshallen des Ruhrgebiets DJs aus aller Welt alle Facetten der elektronischen Tanzmusik präsentieren - von Dance über House und Elektro bis hin zu Drum'n Bass. Alle Räumlichkeiten seien bereits ausgebucht, hieß es.

"Wir können zeigen, dass wir mindestens so sexy sind wie Berlin", betonte Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD). Auch er sieht in der Veranstaltung die Chance, mit Klischees über das Ruhrgebiet aufzuräumen wie etwa dem, "dass hier die Briketts immer noch durch die Luft fliegen".

Breite politische Unterstützung für Raver-Party

Das Ruhrgebiet hatte sich bei einer europaweiten Ausschreibung der Veranstaltung, die sich ausschließlich über Sponsorengelder finanziert, gegen 60 Großstädte durchgesetzt. Im Rennen waren unter anderem Luxemburg und Barcelona, in Deutschland beispielsweise Köln und München. Als einer der größten europäischen Ballungsräume mit einer großen Clubkultur habe das Ruhrgebiet in der Auswahl punkten können, erläuterte Schaller. Außerdem gebe es in der Region eine breite politische Unterstützung für die Loveparade.

Neben dem "Aufmerksamkeitsschub" rechnet das Ruhrgebiet durch die Loveparade auch mit einem wirtschaftlichen Effekt in Millionenhöhe. Bei den bisherigen Veranstaltungen gaben die Besucher im Schnitt rund 100 Euro pro Person aus, wie der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH, Hanns-Ludwig Brauser, vorrechnete. Demnach könne die erwartete Teilnehmerzahl von über 1,2 Millionen der Region "mindestens" 120 Millionen Euro einbringen.