Welt : Luft und Sprit für zwei Tage

Die Nasa hat die Landung um 24 Stunden verschoben – weil das Wetter zu schlecht ist

Roland Knauer

Nun haben die Astronauten noch ein wenig Zeit, den fantastischen Blick aus der Raumfähre auf die blauweiße Erde zu genießen. Nicht ganz freiwillig allerdings. Nach 13 mit Arbeit voll gestopften Tagen im Weltraum verschob die US-Weltraumbehörde Nasa am Montag die Landung der Discovery um einen Tag. Vorher sind Wetterflugzeuge der Nasa gestartet und haben einen Anflug der Raumfähre auf die 4600 Meter lange Piste im Kennedy Space Center in Florida simuliert. Die Piloten finden dunkle Wolken und schlechte Sicht, kein optimales Landewetter also. Notfalls könnte die Discovery auch unter diesen Bedingungen landen, aber die Nasa möchte wie bereits in allen vorherigen Phasen der Mission nicht das kleinste zusätzliche Risiko eingehen und hätte gerne optimale Sicht. Zunächst verschob man die Landung daher um 95 Minuten.

Aber auch dann meldeten die Wetterballons immer noch eine relativ instabile Wetterlage. Niemand weiß, wie sich das Wetter während des mehr als einstündigen Landeanflugs ändert. Da die Raumfähre während des Anflugs nicht durchstarten könnte, verschieben die Verantwortlichen am Boden die Landung auf den heutigen Dienstag.

Die Astronauten in der Discovery schälen sich wieder aus ihren schweren Spezialanzügen – und haben zum ersten Mal ein größeres Stück Freizeit im Weltraum vor sich. Denn neben Routineaufgaben und dem erneuten Testen der für die Landung notwendigen Systeme steht an diesem Tag wenig auf dem Dienstplan, berichtet Raumfahrtexperte Volker Schmid vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn.

Da die Raumfähre erheblich geräumiger als die frühere Apollo-Kapsel und die russische Sojus-Kapsel ist, fühlen sich die Astronauten auch nicht allzu beengt und genießen diesen Beinahe-Ruhetag nach den stressigen Vortagen. Vor allem von diesem einmaligen Ausblick durch die Fenster auf die Erde mit ihren blauen Meeren, weißen Wolken und braunen Landmassen hat bisher jeder Weltraumfahrer geschwärmt.

Am Boden arbeiten derweil die Nasa-Mitarbeiter auf Hochtouren und bereiten auch zwei Ausweich-Landepisten in den USA auf eine mögliche Ankunft der Discovery vor. Für Dienstag haben die Computer gleich sechs mögliche Landetermine ausgespuckt: Um 11 Uhr 7 und um 12 Uhr 43 mitteleuropäischer Zeit könnte die Discovery im Kennedy Space Center in Kalifornien landen. Dort könnten die Bodenmannschaften dann gleich die Raumfähre für ihren nächsten Flug fit machen. Sollten die Techniker nämlich das Problem mit der abplatzenden Tankisolierung lösen, das zurzeit noch weitere Starts verhindert, möchte die Nasa bereits bald weitere Raumfähren zur Raumstation starten lassen. Dann aber müsste eine zweite Maschine den noch verbliebenen drei Raumfähren als Reserve bereitstehen, die bei einer Havarie im Weltraum die Astronauten retten könnte.

Bei fast der Hälfte aller bisherigen Missionen der Raumfähre aber machte das Wetter in Florida der Nasa einen Strich durch die Rechnung und die Astronauten wichen auf den Luftwaffenstützpunkt Edwards in Kalifornien aus. In Edwards sind die Sichtverhältnisse fast immer besser als in Florida. Von dort aber müsste die Raumfähre erst einmal mit einem Spezial-Jumbojet der Nasa nach Florida geflogen werden. Einen ganzen Monat Vorbereitungszeit würde die Nasa dadurch verlieren, schätzt DLR-Raumfahrtexperte Friedhelm Claasen, und so alle weiteren Raumflüge zusätzlich verzögern.

Das gilt auch, wenn die Discovery zur Landung nach New Mexico ausweichen würde. Dort könnte sie besonders sicher landen, weil die Raumfähre auf der weiten Salzpiste in White Sands sehr viel Platz hat. Andererseits sind dort die Verhältnisse für den Rücktransport der Discovery besonders schlecht. Und so hofft die Nasa eben weiter auf gutes Wetter in Florida, während die Astronauten noch einmal die Aussicht vom Weltraum auf die Erde genießen. Klappt die Landung am Dienstag nicht, gibt es am Mittwoch sechs weitere Landemöglichkeiten, die mit Sicherheit genutzt würden. Denn danach müssten die Sprit-, Luft- und Nahrungsreserven an Bord angebrochen werden, die nur für zwei Tage reichen. Genug Sprit für einen Wiederaufstieg zur Raumstation hat die Discovery nicht.

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