Welt : Mach dich unsichtbar

Forscher: Harry Potters Tarnmantel ist möglich

Roland Knauer

Britische und US-Wissenschaftler glauben, dass der Zaubermantel, mit dem sich Harry Potter in seinen Abenteuern unsichtbar macht, durchaus Realität werden könnte. Aus naheliegenden Gründen haben auch Militärs solche nützlichen Utensilien fest im Blick. Verbirgt doch eine Tarnkappe nicht nur Geheimagenten, sondern vielleicht auch Bombenflugzeuge, Kriegsschiffe oder sogar das Pentagon selbst. Noch gibt es diesen Tarnmantel für Panzer, Trickdiebe und Zauberlehrlinge zwar nicht in der Realität. Aber auf ihren Computern haben ihn Forscher mit physikalischen Theorien und mathematischen Formeln entworfen und in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Science“ veröffentlicht.

Zumindest einen Teil ihrer Tarnkappen-Forschung hat das Pentagon finanziert, geben David Smith und David Schurig von der hochangesehenen Duke-Universität im US-Bundesstaat North Carolina dann auch unumwunden zu. Ihre Kollegen Ulf Leonhard von der Universität im schottischen St. Andrews und John Pendry vom Imperial College in London dagegen nennen ihre Geldgeber nicht. Interessenten aber dürfte es genug geben, Privatdetektiven und Kriminalbeamten, Journalisten und Kammerdienern, Spionen und selbst spielenden Kindern käme die Unsichtbarkeit durch einen Zaubermantel jedenfalls bisweilen gerade recht.

Die Tarnkappe funktioniert nach einem Prinzip, das schon lange bekannt ist: Ähnlich wie Wellen einen bemoosten Felsen glatt umfließen und dahinter so weiter strömen, als wäre nie ein Hindernis auf ihren Weg aufgetaucht, kann man auch Licht oder andere elektromagnetische Wellen um einen Gegenstand herumleiten. Dahinter sollte ein Tarnmantel die Lichtwellen wieder so perfekt zusammenführen, dass ein Beobachter nicht entscheiden kann, ob sie auf direktem Weg zu ihm gelangt sind.

Fließen die Wellen dagegen um einen Gegenstand herum, sehen sie auch nicht anders als ohne Hindernis. Der Betrachter ahnt daher nicht einmal, ob es zwischen ihm und der Quelle des Lichtes noch etwas anderes gibt.

Diese eigentlich recht schlichte Theorie haben die Forscher jetzt in mathematische Formeln und physikalische Theorien gegossen, in denen Begriffe wie Helmholtz- und Schrödinger-Gleichung, Kepler-Potential, Maxwell-Gleichung und Snell-Gesetz entscheidende Rollen spielen. Am Ende der gesamten Rechnerei kommt nicht nur heraus, dass Harry Potters Tarnmantel wirklich funktionieren kann. Die Formeln liefern auch ein Rezept, aus welchen Stoff er genäht werden muss, um Zauberlehrlinge oder Spione unsichtbar zu machen.

Genau da aber liegt der Haken bei der schönen Tarnkappen-Theorie: Bisher hat noch niemand ein so genanntes Metamaterial hergestellt, das Licht und elektromagnetische Wellen um den Tarnmantel herumleitet. Aber zumindest die US-Forscher arbeiten nach eigenen Angaben eifrig an einem solchen Material.

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