Welt : Macht die Pille die Bullen wild?

THOMAS DE PADOVA

Berliner Forscher testen Verhütungsmittel an Elefantenkühen in Afrika/ Kritiker: Tiere werden brünstigVON THOMAS DE PADOVA BERLIN.Ein vom Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) entwickeltes Verhütungsmittel für Elefantenkühe ist ins Gerede gekommen.Die Pille für Elefanten mache die Tiere brünstig, so daß die Elefantenbullen ganz wild auf die Kühe würden, berichtete die britische Fachzeitschrift "New Scientist" in ihrer jüngsten Ausgabe.Mitarbeiter des Berliner Instituts implantierten zehn Elefantenkühen im südafrikanischen Krüger-Nationalpark das Hormon "Östradiol", das eine ähnliche Wirkung wie die Pille haben sollte.Aber "als wir die Tiere aus der Luft aufspürten, sahen wir eine einzelne Elefantenkuh, die von acht Bullen umringt war", zitiert die Zeitschrift den Elefantenexperten des Nationalparks, Ian Whyte."Die Kühe waren in einer Art ständiger Brunst, und die Bullen ließen sie nicht in Ruhe." Mit der Pille für Elefanten wollte man in dem Nationalpark eine sanfte Alternative zum alljährlichen Abschußprogramm testen.In dem Park, in dem etwa 7500 bis 8000 Elefanten leben, müssen jährlich rund 400 der grauen Riesen getötet werden.Denn die Weibchen bringen jedes Jahr zwischen 400 und 600 Jungtiere zur Welt, der Lebensraum für die Elefanten aber ist begrenzt. Ob den wachsenden Elefantenpopulationen allerdings durch ein Verhütungsmittel beizukommen ist, ist unter Wissenschaftlern nicht unumstritten.Ein Experte für Geburtenkontrolle bei Wildtieren vom Zoo in Montana im gleichnamigen US-Bundesstaat sagte dem "New Scientist", der Zoo habe die Geburtenkontrolle mittels Hormonen bereits in den 70er Jahren wieder aufgegeben.Die Hormone hätten das Verhalten der Tiere verändert und seien zudem unpraktisch.Haben sich die Berliner Wissenschaftler mit der Elefantenpille übernommen? "Nein", sagt der Tiermediziner Frank Göritz vom IZW entschieden."Die Idee hat eindeutig funktioniert." Bei ihrem jüngsten Forschungsaufenthalt hätten die Forscher die betreffenden Elefantenkühe untersucht und festgestellt, daß keines der Tiere schwanger war.Die Kühe reagierten auf das Hormon erwartungsgemäß sensitiv, ihre Eierstöcke seien klein und inaktiv gewesen."Was allerdings noch optimiert werden könnte, sind die - in Anführungszeichen - Nebenwirkungen", räumt Göritz ein. Es sei in der Tat beobachtet worden, daß einzelne Kühe in der Initialphase bedrängt wurden."Aber nicht in dem Maße, wie es nun dargestellt wird." Es seien keinerlei Zeichen - etwa leichte Verletzungen - gefunden worden, die auf eine höhere Deckungsrate hinweisen."Was da passiert sein kann, ist, daß sich mit dem Urin der Kühe ein Duftstoff ausgebreitet hat, der den Bullen signalisierte: Ich bin paarungsbereit." Die Langzeitwirkung der "Elefantenpille" aber sei unumstritten."Die Südafrikaner haben uns gebeten, daß wir alle Tiere auch weiterhin untersuchen." Und wie wird die Familienplanung im Krüger-Nationalpark weitergehen? "Wir testen nur, ob unsere Lösung aus Sicht der Reproduktionsbiologie möglich ist", sagt Göritz."Wir haben uns nicht dazu geäußert, ob es auch eine sinnvolle Lösung ist.Es könnte sein, daß die Südafrikaner sagen, die einzige vom Management her mögliche Lösung ist der Abschuß der Tiere."

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