Welt : Madonna mia

Ein großer Auftritt bei „Wetten, dass..?“ eröffnet die Werbewoche für das neue Album

Markus Ehrenberg

Sehen so Transvestiten aus? Kniehohe, silberne Glitzerstiefel, Glitzerjacke, Bodyhemd, hautenge Jeans, blondes Haar? Über die Bühne hüpfend wie Kunstturner Fabian Hambüchen? Madonna am Samstag im Fernsehen bei „Wetten, dass..?“ Pop-Weltstar Nummer eins bei Deutschlands Unterhaltungssendung Nummer eins. Über Lissabon, wo Madonna am Donnerstag in einen violetten Trikotanzug gehüllt bei den MTV Europe Music Awards ihre neue Single „Hung Up“ vorstellte und vom Conférencier-Komiker Sacha Baron Cohen, alias Ali G., fast nicht erkannt wurde („sehr mutig von MTV, die Show mit einem waschechten Transvestiten zu beginnen“), nach Mannheim zu Thomas Gottschalk. Auftritt vor 12,58 Millionen Zuschauern. Große Samstagabend-Unterhaltung. Zielgruppe: acht bis 88. Ob die auch alle Madonnas neue CD kaufen werden, wird sich ab Freitag zeigen, wenn „Confessions On A Dancefloor“ auf den Markt kommt. Das Thema Madonna und die 80er Jahre dürfte diese Woche noch diverse Radiostationen, PR-Abteilungen und Feuilletons bei Laune halten. „Hung Up“ lässt da geschmacksmäßig einige Fragen offen. Die Single hörte sich bei Gottschalk an wie eine Mischung aus Abba und Amanda Lear. In der Tat handelt es sich um ein Sampling. Abba gab die Genehmigung und „Gimme Gimme Gimme“ bekommt so einmal mehr einen großen Auftritt.

Es sah auf jeden Fall gut aus. Und es war Madonna, kein Transvestit. So viel bekam man bei „Wetten, dass..?“ mit. Madonna ist 47, hat nicht mehr ganz das Gesicht, aber bestimmt den Körper einer 27-Jährigen. „Du siehst besser aus als jemals zuvor“, flötete Thomas Gottschalk, nachdem die zweifache Mutter mit ihren Tänzern eine olympiareife Show geboten hatte. Danach warf Madonna ein Bein über Gottschalks Schulter.

Wie sie ihre Figur hält, hat Madonna schon öfter verraten. Kein Gramm Fett nirgends, auf keinem Teller. Dazu viel Sport. Und für den Kopf: Kabbala, das jüdische Glaubenssystem, bei dem, kurz gefasst, alle mit allem verbunden sind. „Bild am Sonntag“ setzte die Madonna-Medien-Woche denn auch ohne Ernährungstipps fort. Im Exklusiv-Interview erklärte Madonna, sie sei in „guter Stimmung“, habe eine Dokumentation über ihr Leben gedreht („I’m Going To Tell You A Secret“), führe eine „inspirierende, spaßige, schwierige und liebevolle“ Ehe mit Regisseur Guy Ritchie, interessiere sich wie bei ihrem Anti-Bush-Album „American Life“ weiter für Politik, obwohl sie jetzt einfach nur „tanzen und gut drauf sein“ wollte. Das Wichtigste aber: Spiritualität sei sexy. Ob Madonna damit die Probleme des eigenen Alterns löst? Egal, man kann so einen Satz nicht oft genug hören.

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