Männerphantasien : Darauf einen Busenklaps

Ein Fehlgriff von Hertha-Profi Peter Niemeyer brachte Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus nur kurz aus der Fassung. Dennoch wird die Szene mit dem Busenklaps in den Jahresrückblicken in Endlosschleifen wiederholt werden.

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Wahrt die Fassung: Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus nach dem Busenklaps - und vor dem Auftritt im Jahresrückblick 2010.
Wahrt die Fassung: Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus nach dem Busenklaps - und vor dem Auftritt im Jahresrückblick 2010.Foto: dpa

Es ist keine ganz frische doch allen emanzipatorischen Bemühungen zum Trotz immer noch gültige Feststellung, dass es Frauen echt nicht leicht haben. Nehmen wir Bibiana Steinhaus, auch „Bibi“ oder „die hübsche Bibi“ gerufen. Die Frau ist Schiedsrichterin im Fußball. Sie macht diesen Job sehr gut, weswegen sie als erste Schiedsrichterin im deutschen Profifußball, auch dem der Männer, in die Historie eingegangen ist. Am Montagabend noch einmal. Weil ihr beim Spiel Hertha BSC gegen Alemannia Aachen ein Berliner Spieler einen freundlichen Klaps auf die Schulter geben wollte. Der Klaps verhielt sich aber ähnlich wie der Stoß, der von hinten durch die Brust ins Auge führt. Die klapsbereite Hand verirrte sich und streifte statt ziemlich die Schulter unziemlich die linke Brust von Frau Steinhaus. Ob das nun ein sexueller Übergriff am Arbeitsplatz gewesen ist, sei dahingestellt. Auf jeden Fall ist die Szene der Brüller im Internet und das Thema in den Diskussionsforen. Frau Steinhaus hatte die etwas irritierende Situation mit einem sehr charmanten Lächeln aufgelöst und von einer möglichen Strafe abgesehen. Das wird aber nicht helfen, Bibiana Steinhaus wird als Erste-Schiedsrichterin-im-deutschen-Profifußball-auch-dem-der-Männer-von-denen-einer-ihr-an-den-Busen-gegrapscht-hat in den Annalen verzeichnet bleiben und die Szene bei den zu erwartenden Jahresrückblicken in Endlosschleifen wiederholt werden.

Oder nehmen wir die Frauen in der Ukraine, aber nur die, die im Regierungsapparat tätig sind. Die dürfen jetzt nicht mehr im kurzen Rock, mit rotem Lippenstift und auf High Heels ihrer Arbeit nachgehen. Sie dürfen auch keine durchsichtigen Stoffe mehr tragen und auch das Dekolleté nicht zu zeigefreudig gestalten. In diesem Zusammenhang: Waren es nicht auch hochhackige Ukrainerinnen, über die einst Michel Friedman stolperte? Egal. Und doch auch erstaunlich, wie unterschiedlich in nur einer Welt die Betrachtungsweisen sind. Was in der sich offensichtlich nun züchtig gebenden Ukraine verpönt ist, ist ein wenig südlich davon, in Rom bei Silvio Berlusconi, ausdrücklich erwünscht und gilt als Entrée in die Regierungsarbeit. Wohingegen Berlusconi und seinesgleichen den in der Ukraine gewünschten hochgeschlossenen Auftritt als blaustrümpfig brandmarken. Hier wie dort aber ist das männliche Verhalten wenig herrlich, sondern recht dämlich, wenn dieser Kalauer erlaubt ist. Oder anders ausgedrückt: Frauen haben es wirklich nicht leicht.

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