Welt : Magersucht: Mehr als 100 000 betroffene Frauen unter 35

Ess-Störungen nehmen in Deutschland vor allem bei jungen Menschen immer mehr zu. Es komme nicht nur zu Übergewicht, sondern auch zu Magersucht und Bulimie, weil immer mehr Menschen dem "überschlanken" Schönheitsideal entsprechen wollten, teilte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) am Montag in Köln mit. Allein rund 600 000 Frauen leiden demnach unter Bulimie, der so genannten Ess-Brech-Sucht. Zunehmend seien aber auch Männer erkrankt, in Deutschland schätzungsweise 70 000. Um Betroffenen beim Ausstieg aus dem "verhängnisvollen Kreislauf aus Diät und Ess-Störungen" zu helfen, legte die BZgA bundesweit neue Broschüren vor, die aufklären sollen, und die sich an Selbsthilfegruppen sowie Angehörige, Lehrer und Freunde richten und über Symptome und Therapien informieren. In der Prävention sei der Einfluss des Umfeldes besonders wichtig, sagte BZgA-Direktorin Elisabeth Pott.

Starkes Übergewicht ist bei den Ess-Störungen nach wie vor das Problem Nummer eins. Etwa jede fünfte Frau und 16 Prozent der Männer bringen Experten zufolge zu viele Kilo auf die Waage. Übergewichtige haben aber nicht nur ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Sie erkranken auch häufiger an Diabetes oder dem vorzeitigem Verschleiß von Knochen und Gelenken. Das Essverhalten gerät laut BZgA aber auch durch den allgegenwärtigen Perfektionsdrang zunehmend aus dem Gleichgewicht. Vor allem bei Mädchen und jungen Frauen setze sich ein Wunschgewicht fest, das nur durch ständige Diäten zu erreichen ist. Bereits zwölf Prozent der 11- bis 15-jährigen Jungen und 17 Prozent der gleichaltrigen Mädchen haben laut einer Studie Erfahrung mit Diäten. Durch wiederholte Diäten werde jedoch die Nährstoffversorgung des Körpers, die in der Wachstumsphase besonders wichtig ist, gefährdet. Calziummangel etwa begünstige die spätere Entstehung von Knochenschwund. Zudem sind Schlankheitsdiäten häufig der klassische Einstieg in eine Ess-Störung. Schätzungen zufolge leiden mehr als 100 000 Frauen zwischen 15 und 35 Jahren an Magersucht, die lebensbedrohlich sein kann. Rund 15 Prozent der Betroffenen hungerten sich regelrecht zu Tode. Bulimie wiederum kann Experten zufolge die Entstehung von Spreiseröhren- und Darmkrebs begünstigen.

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