Welt : Mal schnell zum Baden nach Usedom

Fahrzeit der Bahn ab Berlin wird halbiert

Klaus kurpjuweit

Usedom - In nur zwei Stunden von Berlin bis an die Ostsee auf der Insel Usedom – die Bahn will es möglich machen. Heute sind die Züge mit dem Umweg über Wolgast rund vier Stunden unterwegs, ehe sie in den Kaiserbädern Bansin, Heringsdorf oder Ahlbeck eintreffen. Eine Fahrzeit von zwei Stunden ist auch mit dem Auto kaum zu schaffen.

Um schnell an die „Badewanne“ von Berlin zu kommen, muss eine Bahnstrecke aufgebaut werden, die bis zum Kriegsende vorhanden war, danach aber demontiert worden ist. Die Brücke über den Peenestrom mit der Hubbrücke bei Karnin war kurz vor Kriegsende gesprengt worden. Zu DDR-Zeiten war zwar überlegt worden, die Verbindung wieder aufzubauen, doch da die Gleise auf einem kurzen Stück bei Swinemünde nun über polnisches Gebiet geführt hätten, wurden sie nicht verwirklicht.

Dies ist jetzt kein Hindernis mehr. Im nächsten Jahr will die Usedomer Bäderbahn (UBB) ihre Strecke um 1,4 Kilometer ins Zentrum von Swinemünde verlängern. Zum ersten Mal darf eine Bahn aus Deutschland Gleise in Polen bauen. Rund zehn Jahre lang hatte man verhandelt und gestritten, denn für Polen war dieser Schritt nicht leicht. Die Verlängerung nach Swinemünde soll nun die Initialzündung für den Wiederaufbau der klassischen Strecke werden, die die Reisezeit halbiert, hofft der UBB-Chef Jörgen Boße.

Der Aufbau der Gesamtstrecke würde nach seinen Angaben zwischen 110 und 160 Millionen Euro kosten. Im Bundesverkehrswegeplan ist die Strecke als internationale Verbindung bereits aufgenommen worden. 2015 könnte die Strecke fertig sein, hofft Boße. Die Hubbrücke, deren Reste heute als technisches Denkmal im Peenestrom stehen, könnte allerdings nicht mehr genutzt werden.

Dagegen kostet der erste Schritt bis Swinemünde nur 2,5 Millionen Euro. Weit weniger, als Polen für einen Straßenübergang auf Usedom ausgegeben hat. Vor wenigen Tagen ist er für Busse, Radfahrer und Fußgänger eröffnet worden. Polen bestand darauf, hier eine komplette Grenzübergangsanlage zu bauen, obwohl die Kontrollen nach dem Beitritt zum Schengen-Abkommen 2008 entfallen. Etwa vier Millionen Euro kosteten die Abfertigungsanlagen, zum großen Teil finanziert von der EU. Vielleicht zieht nun ein Einkaufszentrum ein – EU-gefördert.

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