Welt : Mal wieder zusammen abwaschen

Was Papst-Bruder Georg Ratzinger vom Besuch Benedikts erwartet – Porträt eines musikalischen Priesters

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München - Er ist derjenige, der die Wahl von Papst Benedikt XVI. am wenigsten wahrhaben wollte. „Betroffen“ sei er gewesen, als sein Bruder Joseph im April 2005 vom Konzil auserkoren wurde, erinnerte sich Georg Ratzinger später. Die Sorge um die Gesundheit des drei Jahre jüngeren Bruders war es, die ihn umtrieb – übrigens auch öffentlich, was im Vatikan mit Unwillen zur Kenntnis genommen wurde. Mittlerweile hat der 82-Jährige seinen Frieden mit der Wahl gemacht. An diesem Mittwoch wird Georg Ratzinger den Heiligen Vater einige Stunden ganz für sich haben. Dann soll es so sein wie früher – zumindest annähernd.

Der Papst wird diesen seinen „freien“ Tag nutzen, um sich gemeinsam mit seinem Bruder Georg nach Pentling zurückziehen. Dort besitzt Benedikt ein Haus, nicht weit von dort liegen die Eltern der beiden Brüder und die 1991 verstorbene Schwester Maria begraben. „Wir werden sein altes Haus anschauen, werden durch den Garten gehen, ums Haus herummarschieren, und dann werden wir hineingehen und im Haus zusammensitzen und dort wahrscheinlich auch zu Abend essen“, beschreibt Georg Ratzinger im Magazin „Cicero“ den vermutlichen Ablauf in Pentling. Vielleicht auch werden sie zweihändig Klavier spielen, wie sie das früher so oft und so gern getan haben. Auf jeden Fall wollen sie den Abwasch zusammen machen.

Alles soll so sein wie bei den Besuchen, die Joseph Ratzinger als Kardinal in den vergangenen Jahren noch regelmäßig machen konnte. Denn im Verhältnis zwischen den beiden Brüdern hat sich nichts geändert. Georg nennt den Bruder weiter Joseph – „alles andere wäre unnatürlich“ –, die beiden beten viel zusammen und unterhalten sich über alte Bekannte oder aktuelle Themen. Obwohl ihr Verhältnis seit Kindheitstagen eng ist, sieht sich Georg nicht in der klassischen Rolle des älteren Bruders. „Ratgeber kann ich ihm nicht sein, er weiß ja viel mehr als ich.“

Für den Vatikan stellt die brüderliche Beziehung ein Novum dar: Benedikt XVI. ist der erste Papst, der einen Bruder hat. Nicht-geistliche Verwandtschaft hat in der Vergangenheit keine Rolle gespielt. Das ist bei Georg anders. Und so trägt er während des Papst-Besuches ein Bischofsgewand, was ihm, der selbst Priester ist, eigentlich nicht zusteht, als Bruder des Papstes aber möglich ist.

Georg Ratzinger kam am 15. Januar 1924 in Pleiskirchen bei Altötting zur Welt. Dass er Geistlicher werden wollte, wusste er genau wie sein jüngerer Bruder von Kind an. „Das Ewige hat sich irgendwie uns bewusst gemacht“, beschreibt Georg Ratzinger die katholische Erziehung im Elternhaus. Weil er wie sein Bruder eine enge Verbindung zur Musik verspürte – beide schätzen Mozart sehr –, betete Georg schon mit zehn Jahren darum, einen Beruf zu finden, in dem er Musik und Priesteramt würde kombinieren können: den des Domkapellmeisters.

Nach dem Priesterseminar und der Priesterweihe 1951 arbeitete Georg Ratzinger daran, seinen Gebetswunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Er studierte an der Münchner Musikhochschule Kirchenmusik. Sieben Jahre später war er am Ziel seiner Träume: Am 1. Februar 1964 übernahm er den Posten des Domkapellmeisters am Regensburger Dom und wurde damit auch Chef der Regensburger Domspatzen. Unter den Fittichen Ratzingers studierte der Knabenchor nicht nur große Werke der Chormusik ein, sondern festigte auch mit Tourneen seinen Weltruhm.

Sein musikalisches Wirken brachte Ratzinger breite Anerkennung. Er führt die kirchlichen Ehrentitel Monsignore und päpstlicher Ehrenprälat. Außerdem trägt er den Bayerischen Verdienstorden und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Papst Johannes Paul II. schickte ihm 1994 ein Bild mit der Widmung „Für Herrn Domkapellmeister Prälat Georg Ratzinger in Anerkennung seiner Verdienste um die Kirchenmusik mit meinem besonderen apostolischen Segen“. Doch der humorvolle Priester im Ruhestand hat für die Ehrung eine ganz eigene Erklärung. „Das hat mein Bruder ihm für meinen Geburtstag abgebettelt.“

Die gesundheitlichen Probleme, die Georg Ratzinger für seinen Bruder fürchtete, machen ihm mittlerweile selbst zu schaffen. Bei einem Besuch in Rom musste er vor einem Jahr wegen Herzrhythmusstörungen operiert werden. Seitdem trägt er einen Herzschrittmacher. Außerdem sieht er sehr schlecht. Und er geht am Stock, weshalb den Papst dieser Tage stets ein leichtes klickklickklick begleitet, wenn der Bruder Georg dabei ist. Die zunehmenden Besuche beim Arzt nimmt Ratzinger mit Humor. „So wie gute Musiker in jedem Konzert ein paar ungewollte Töne entdecken, so entdecken auch die Ärzte bei jeder Untersuchung etwas, was nicht ganz koscher ist.“ AFP/clk

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