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Malaysia Airlines-Maschine in Ukraine abgestürzt : Vier deutsche Todesopfer, USA sprechen von Abschuss

Nahe der russischen Grenze ist eine Passagiermaschine von Malaysia Airlines abgestürzt. Die 298 Insassen sind offenbar tot, darunter mindestens vier Deutsche. Die Ukraine und prorussische Separatisten machen sich gegenseitig verantwortlich.

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Die Maschine stürzte in der umkämpften Region bei Donezk ab. Foto: AFP
Die Maschine stürzte in der umkämpften Region bei Donezk ab.Foto: AFP

Das im Osten der Ukraine abgestürzte malaysische Passagierflugzeug ist nach Angaben der USA vermutlich abgeschossen worden. US-Geheimdienstexperten gehen „stark“ davon aus, dass die Maschine von einer Boden-Luft-Rakete getroffen wurde, hieß es aus Regierungskreisen in Washington. Die Fachleute untersuchten, ob die prorussischen Separatisten, die ukrainischen Streitkräfte oder gar die russische Armee für den Abschuss verantwortlich seien.

Die Maschine vom Typ Boeing 777 befand sich auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Regierung und prorussische Aufständische warfen sich gegenseitig vor, das Flugzeug attackiert zu haben. Die USA haben ihre Unterstützung bei der Aufklärung des Absturzes zugesagt. „Die Vereinigten Staaten werden jede mögliche Hilfe anbieten, um festzustellen, was passiert ist und warum“, sagte US-Präsident Barack Obama am Donnerstag. „Es sieht aus, als ob es eine schreckliche Tragödie sein könnte.“

Der Absturz von MH17
Trauer vor der Niederländischen Botschaft in Moskau: Im Osten der Ukraine ist ein Passagierflugzeug der Malaysia Airlines abgestürzt. Alle 298 Insassen sind offenbar tot. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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18.07.2014 13:58Trauer vor der Niederländischen Botschaft in Moskau: Im Osten der Ukraine ist ein Passagierflugzeug der Malaysia Airlines...

Angela Merkel sprach von einer tragischen Eskalation der Situation in der Ukraine. „Schockierend sind für die Bundeskanzlerin auch die mutmaßlichen Umstände, wonach das Flugzeug aus großer Höhe abgeschossen worden sein soll“, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Nach Angaben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines befanden sich 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder an Bord. Vermutlich sind alle ums Leben gekommen. Unter den Toten sind auch mindestens vier Deutsche. Die schreckliche Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gebe, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin.

Ukraine-Präsident Poroschenko spricht von "terroristischem Akt"

Zum Zeitpunkt des Absturzes flog die Maschine dem ukrainischen Ministerium zufolge in zehn Kilometern Höhe. Prorussische Separatisten gaben bekannt, den Flugschreiber der Boeing 777-200 gefunden zu haben. Eine Bestätigung dafür gab es von unabhängiger Seite nicht. Ukraines Präsident Petro Poroschenko erklärte, es handele sich um eine terroristische Tat. Ein Vertreter des Innenministeriums warf Russland vor, den Aufständischen Raketen vom Typ Buk zur Verfügung gestellt zu haben. Separatistenführer Alexander Borodai sagte dagegen, die Maschine sei von der ukrainischen Luftwaffe abgeschossen worden. Die Aufständischen verfügten gar nicht über derartige Waffen. Ein Militärkommandeur der Rebellen sagte jedoch vor Bekanntwerden des Absturzes, seine Kämpfer hätten in dem Gebiet ein Truppentransportflugzeug vom Typ Antonow An-26 abgeschossen.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen will sich in einer eilig einberufenen Sondersitzung mit dem Flugzeugabsturz in der Ukraine befassen. Das mächtigste UN-Gremium werde am Freitag um 10.00 Uhr (Ortszeit, 16 Uhr deutscher Zeit) zusammentreten, hieß es am Donnerstag aus Diplomatenkreisen. Großbritannien hatte die Sitzung beim ruandischen UN-Botschafter, in diesem Monat Präsident des Rates, beantragt. Auch der ukrainische Botschafter Juri Sergejew soll an der voraussichtlich offenen Sitzung teilnehmen. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass irgendwelche Beschlüsse gefasst werden.

Malaysia Airlines teilte mit, die letzte bekannte Position ihres Flugs MH-17 sei über der Ukraine gewesen, vorher sei der Flug normal verlaufen. Verteidigungsminister Hishammuddin Hussein erklärte per Twitter, es gebe noch keine Bestätigung dafür, dass die Boeing tatsächlich abgeschossen wurde. Die Fluggesellschaft teilte zunächst nur mit, dass sie den Kontakt zu Flug MH17 verloren habe. Wie andere Fluggesellschaften auch kündigte die Lufthansa an, den ostukrainischen Luftraum von sofort an weiträumig zu umfliegen.

Die Armeeführung in Kiew hatte vor dem Absturz der Passagiermaschine Russland vorgeworfen, ein Militärflugzeug über der Ostukraine abgeschossen zu haben. Die Regierung in Moskau wies die Vorwürfe als absurd zurück.

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