Welt : Mallorca: "Wir haben nichts gegen Ballermann-Touristen"

Ralph Schulze

"Wie sollten wir etwas gegen die Deutschen haben, wenn es unsere besten Kunden sind", sagte der Ministerpräsident der autonomen spanischen Region Balearen, Francesc Antich, der Süddeutschen Zeitung. Wenige Wochen vor Beginn der Urlaubszeit bemüht sich die Regierung von Mallorca, den Eindruck von Deutschenfeindlichkeit abzustreifen. "Wir finden es toll, dass sich Claudia Schiffer und Boris Becker hier ein Haus kaufen, wir haben auch nichts gegen den Ballermann-Tourismus, sofern keine Exzesse die Ruhe anderer stören", fügte Antich in Anspielung auf das berühmt-berüchtigte Lokal "Ballermann 6" hinzu.

Die Umweltsteuer zwischen etwa 50 Pfennig und vier Mark pro Nacht, die Touristen vom Jahresende an zahlen müssen, solle die Billigurlauber nicht verschrecken. "Alle haben hier schöne Ferien verdient, aber wenn wir keine Maßnahmen ergreifen, dann wird das schwierig", sagte Antich. Unter den jährlich elf Millionen Urlaubern auf den Balearen-Inseln, zu denen außer Mallorca auch Menorca, Ibiza und Formentera gehören, sind Antich zufolge vier Millionen Deutsche.

Mallorcas Hoteliers zittern: Seit im deutschsprachigen Raum die Botschaft von der "Urlaubssteuer" die Runde macht, sind die Ferien-Buchungen massiv abgestürzt. Rückgänge bis zu 20 Prozent habe es in diesen Osterferien gegeben, beklagt die Bettenbranche und befürchtet, dass es noch schlimmer kommen könnte.

Bis zu 40 Prozent weniger Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz könnten in diesem Sommer auf die Baleareninsel reisen. Ausgerechnet der zahlungskräftigste nordeuropäische Kundenmarkt breche ein. Wenn dies so weitergehe, heißt es, könne sich die Mallorca-Steuer noch als Boomerang erweisen. Denn irgendwann klingele dann nicht mehr, sondern weniger Geld in der Kasse der Balearenregierung.

Die balearische Links-Koalition hatte vor Ostern eine Kopf-Steuer für Touristen auf den Inseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera beschlossen, die von kommendem Jahr an fällig wird. Im Durchschnitt soll ein Euro pro Person und Urlaubstag kassiert werden, nur Kinder bis 12 Jahren dürfen sich gratis erholen. In Luxusherbergen sind gar zwei Euro, in einfachen Landgasthöfen nur 0,25 Euro zu berappen.

Offiziell heißt die Urlauberabgabe "Ökosteuer" - ein Etikettenschwindel, denn mit den Einnahmen sollen nicht nur der Umweltschutz bezahlt, sondern auch Städtesanierung, Straßen und der Ausbau der Tourismusinfrastruktur finanziert werden. Zudem wollen die Inselpolitiker mit der Kurtaxe die darbende Landwirtschaft subventionieren.

Die mallorquinischen Hotelbesitzer, die vergeblich versucht hatten, die Urlaubssteuer zu verhindern, sehen nun das Reisegeschäft vor dem größten Einbruch seiner Geschichte. Die Hotelvereinigung jammert, dass die Entwicklung des deutschen Tourismus derzeit "nicht schlechter sein könnte". Schon jetzt lägen die Reservierungen "rund 20 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres". Schuld trage allein die Inselregierung, welche "die Auswirkung der Ökosteuer nicht vorausgesehen" habe. Nun werde es "sehr schwer sein", diese Abwärtsdynamik zu stoppen.

Auch die Inselpresse schießt scharf gegen die Urlaubssteuer, die im Ausland eine "negative Wirkung entfaltet und das auch noch im ungünstigsten Moment". Ungünstig deswegen, weil andere Sonnenländer "mit besseren Angeboten locken" und dazu dort "die Kunden nicht geringgeschätzt, sondern gepflegt werden".

Doch der sozialistische Balearen-Regierungschef Francesc Antich denkt nicht daran, sein politisches Lieblingsprojekt zu stoppen. Im Gegenteil: Er will nun in die Gegenoffensive gehen und im Ausland eine große Informationskampagne starten.

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