Welt : Manchmal mag er’s heiß

Vom Bandenmitglied zum Hollywoodstar – Tony Curtis wird heute 80 Jahre alt

Christian Schröder

Wo die Liebe regiert, dürfen alle Masken fallen. Am Ende von „Manche mögen’s heiß“ wird Jack Lemmon von Joe E. Brown bedrängt, der ihn für eine Frau gehalten hat, nun aber – „Nobody is perfect“ – auch mit dem Mann vorlieb nimmt. Und Tony Curtis kommt mit Marilyn Monroe davon. Auf der Flucht vor der Mafia war er mit Lemmon in Frauenfummeln bei einer Mädchenkapelle gelandet. Um das Herz von Sugar Kane, der von Monroe gespielten Sängerin, zu erobern, kostümierte er sich als Millionär. Als sie von ihm in einer Strandszene wissen will, welche Firma ihm gehört, hebt er als Antwort eine Muschel auf: Shell.

Tony Curtis, der heute 80 Jahre alt wird, gehört zu den letzten großen Überlebenden des klassischen Hollywood. In Interviews erzählt er immer wieder gern, wie anstrengend die Arbeit mit der Monroe war. Weil sie ihren Text vergessen hatte, mussten viele Aufnahmen endlos wiederholt werden, eine „Tortur“ für alle Beteiligten. Billy Wilder, der Regisseur von „Manche mögen’s heiß“ nannte Lemmon seinen „Jedermann“, Curtis war für ihn „ein hübscher, ungarischer Junge aus der Bronx“.

Der Einwandersohn mit dem bürgerlichen Namen Bernard Schwartz hatte sich als Schuhputzer durchgeschlagen und war mit elf Jahren zum Mitglied einer Streetgang geworden. „You can take Tony Curtis out of the Bronx, but you can’t take the Bronx out of Tony Curtis“, hieß es später in Hollywood über ihn. Man ließ ihn glutäugige Orientalen mit Turban und groteskem Straßenakzent spielen. Nach einem kleinen Auftritt in dem Krimi „Criss Cross“ (1949) gingen beim Universal-Studio viele Briefe von Teenagern ein, die wissen wollten, wer dieser gut aussehende Mann mit den schwarzen Locken war. Neben Rock Hudson war Tony Curtis der einzige Darsteller aus der Universal-Nachwuchsabteilung, der den Sprung zum Star schaffte.

In seinen Filmen ist Curtis oft ein Außenseiter, sein Spiel neigt zur Körperlichkeit und Impulsivität. In „Trapez“ (1956) turnt er mit Burt Lancaster, in „Dein Schicksal in meiner Hand“ (1957) ist er ein quecksilbriger Presseagent, in „Die Wikinger“ (1958) hackt sein Jagdfalke Kirk Douglas ein Auge aus. Für den Gefängnisausbrecherfilm „Flucht in Ketten“ (1958), in dem er von Sidney Poitier nicht loskommt und sich dabei zum Nicht-Rassisten wandelt, wurde er für den Oscar nominiert. Deutschen Fernsehzuschauern ist er außerdem als Widerpart von Roger Moore in der Krimireihe „Die Zwei“ (1971–73) in Erinnerung, auch dank der Synchronisation, die eine Zeile wie „Good morning, Mr. Miller“ in den Ulk „Na Meisterchen, schon frisch im Schritt?“ wendete.

Curtis lebt heute zurückgezogen auf einer Insel bei Hawaii. Er drehte rund 130 Filme und ist, nachdem Ehen unter anderem mit Janet Leigh und Christine Kaufmann scheiterten, zum sechsten Mal verheiratet. Weil das aktuelle Hollywood nur noch wenig mit ihm anzufangen weiß, ging er zuletzt mit einer Theaterversion von „Manche mögen’s heiß“ auf Tournee. Bei einem Besuch in Deutschland zeigte er sich in papageienbunter Kleidung und kurzen Hosen: Tony Curtis bleibt ein Verkleidungskünstler.

0 Kommentare

Neuester Kommentar