Welt : Mangel an spontaner Hilfe

BREMEN (dpa).Die Mehrzahl der Deutschen ist bei Unfällen nicht bereit, spontan Hilfe zu leisten.Doch gerade diese Sofortmaßnahmen durch Laienhelfer in den ersten Minuten könnten viele Menschenleben retten und irreparable Hirnschäden vermeiden helfen.Dieses Fazit haben am Freitag Unfallmediziner auf dem 18.Bundeskongreß Rettungsdienst in Bremen gezogen - einen Monat nach dem ICE-Unglück von Eschede."Erste Hilfe muß zum Volkssport werden", forderte Jürgen Huber vom Kuratorium zur Förderung der präklinischen Notfallmedizin.

Mehrere Mediziner kritisierten dabei die geringe Bereitschaft vieler Menschen zur Fortbildung auf dem Gebiet der Unfallmedizin.Ein einziger Lehrgang über Sofortmaßnahmen am Unfallort für die Führerscheinprüfung reiche leider nicht aus, um auf Unfallsituationen im Alltag richtig reagieren zu können.Als weitere Lehre aus dem ICE-Unglück wird laut Huber neben medizinischen Vorsorgemaßnahmen zunehmend die Bedeutung der psychologischen Betreuung erkannt.Nicht nur Angehörige und Helfer müßten seelsorgerisch betreut werden, sondern auch die Helfer der Helfer.Dieses Feld sei für viele im Rettungsdienst noch Neuland.

Das Kuratorium zeichnete den Landkreis Celle für die Bewältigung des Zugunglückes aus.Die vielen Schwerverletzte seien innerhalb von nur 90 Minuten abtransportiert und auf 22 Kliniken verteilt worden.Stellvertretend für die mehr als 1200 Helfer im Landkreis nahm der Kreisrat Klaus Wiswe den Preis entgegen.Das ICE-Unglück vom 3.Juni mit 100 Toten und 88 Verletzten war durch einen gebrochenen Radreifen ausgelöst worden.Der 13jährigen Schülerin Sybille Czichon aus Weiden in der Oberpfalz wurde ein Sonderpreis für herausragende Leistungen als Ersthelferin zugesprochen.Sie hatte als verletzte Zugpassagierin noch stundenlang Erste Hilfe geleistet und andere Verletzte betreut, bis sie zusammenbrach.

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