Mangelhafte Pflege : Bremer Pflegeheim droht die Schließung

Ärzte bemängelten schon lange die Zustände in Bremen-Kirchhuchting. Jetzt soll das Pflegeheim wegen "schwerwiegender Mängel" geschlossen werden.

Magdalena Thiele
Für eine gute Pflege ist vor allem ausreichend Personal notwendig.
Für eine gute Pflege ist vor allem ausreichend Personal notwendig.Foto: imago/Westend61

Seit Jahren gab es anhaltende Beschwerden von Bewohnern, Angehörigen und Ärzten über die Zustände in dem Bremer Pflegeheim Kirchhuchting. Nun soll die Einrichtung wegen "schwerwiegender Mängel in den Bereichen der pflegerischen und medizinischen Versorgung, der Hygiene, der Pflegedokumentation und des Personalmanagements" umgehend geschlossen werden gab die Bremer Senatsverwaltung am Montag bekannt. Alle Bewohner sollten binnen einer Woche in anderen Einrichtungen untergebracht werden. Die Betreibergesellschaft ist eine Tochter der Lindhorst-Gruppe, die auf den Geschäftsfeldern Landwirtschaft, Immobilien und seit einigen Jahren auch im Bereich Seniorenpflege tätig. Sie betreibt derzeit 21 Senioreneinrichtungen in Deutschland.

Wie die Wohn- und Betreuungsaufsicht der Stadt Bremen mitteilte, waren die festgestellten Mängel „so erheblich, dass in mehreren Fällen von einer schwerwiegenden Gefahr für Leib und Leben von Bewohnerinnen und Bewohnern“ auszugehen sei. Bereits im Januar 2015 wurde von behördlicher Seite ein Aufnahmestopp für die Einrichtung verhängt. Seitdem dürfen keine neuen Bewohner aufgenommen werden. Außerdem wurde die ursprüngliche Einrichtungsleitung zwischenzeitlich durch eine kommissarische Leitung ersetzt. Der Heimbetreiber hat vor dem Verwaltungsgericht einen Eilantrag gestellt. Damit soll erreicht werden, dass das Seniorenheim Bremen-Kirchhuchting bis zu einer endgültigen Gerichtsentscheidung erst einmal weiter betrieben werden darf. In einer vom Betreiber herausgegebenen Pressemitteilung heißt es sogar: die behördliche Heimaufsicht hätte ihren Antrag auf sofortige Schließung der Einrichtung in Kirchhuchting zurückgezogen und würde den Verantwortlichen die Möglichkeit einräumen "qualitätsverbessernde Maßnahmen" umzusetzen. Auf Nachfrage des Tagesspiegels erklärte der zuständige Pressesprecher der zuständigen Behörde jedoch, das dies nicht zutreffe. Die Bremische Wohn- und Betreuungsaufsicht  halte weiterhin an der sofortigen Betriebsuntersagung fest. Allerdings werde die Eilentscheidung des Gerichts abgewartet. Vorher werde keine Zwangsräumung stattfinden.

Dr Günther Egidi ist Hausarzt und kennt die Umstände im betroffenen Heim. "Kirchhuchting ist einer der schlimmsten Skandale, die ich als Arzt miterlebt habe", sagt der Mediziner. "Bewohner sind hier an schlechter Pflege gestorben". Oft hätten Bewohner nicht genügend zu Essen bekommen oder das Essen sei Ihnen nicht rangereicht worden. Auch habe man Bewohner stundenlang in die Sonne gesetzt, sodass sie Verbrennungen erlitten.

Das Heim wirbt auf seiner Internetseite unter anderem mit der Pflege für schwerstkranke junge Menschen. Für diese Fälle sei aber keinesfalls genügend und entsprechend geschultes Personal eingestellt worden. Wie sich die Situation heute nach dem Wechsel der Heimleitung im Sommer verändert hat, müsse man abwarten, sagt Egidi. Die ansässigen Hausärzte würden sich zwar im Interesse der Bewohner nicht für eine sofortige Schließung aussprechen. Es müsse aber deutliche Verbesserungen der Versorgungsqualität geben. Dem derzeitigen Betreiber der Einrichtung steht Egidi sehr misstrauisch gegenüber. "Da ist ein ehemaliger Landwirt der jetzt mit Pflege die schnelle Mark machen will"

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