Marienfeld zu Köln : Hundertausende warten auf Papst-Vigil

Mehr als eine halbe Million Pilger hat sich zwei Stunden vor dem Beginn einer Abendandacht mit dem Papst auf dem Marienfeld westlich von Köln versammelt.

Köln (20.08.2005, 17:52 Uhr) - "Der Zustrom hält an", sagte ein Sprecher der Polizei. Nennenswerte Zwischenfälle habe es bisher keine gegeben. Am Abend wird Papst Benedikt auf dem ehemaligen Braunkohletagbau mit den Pilgern eine Vigil beten. Über dem gesamten Areal sollte am Abend ein Lichtermeer scheinen: Jeder Teilnehmer sollte eine Kerze anzünden. Ein Weltjugendtags-Sprecher sagte, ein Großteil der 400.000 angemeldeten Gläubigen aus fast 200 Ländern würden auf dem Marienfeld im Freien oder mitgebrachten Zelten übernachten. Zur Papstmesse am Sonntagmorgen werden weitere 400.000 Teilnehmer Papstmesse erwartet. Sie bildet den Höhepunkt und Abschluss des sechstägigen katholischen WJT.

Der nächste große katholische Weltjugendtag findet 2008 im australischen Sydney statt, berichtete Radio Vatikan am Samstag. Abweichend vom bisherigen Programm wollte der Pontifex noch vor der für 20.30 Uhr geplanten Abendandacht mit dem «Papamobil» auf dem Gelände unterwegs sein und sich den Pilgern zeigen.

Papst Benedikt XVI. empfing am dritten Tag seines Deutschlandbesuchs mehrere Spitzenpolitiker zu Privataudienzen. Der katholische Oberhirte traf in Köln mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der CDU- Vorsitzenden Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) zusammen. Insgesamt dauerten die Gespräche im Erzbischöflichen Haus eine Stunde.

Über den Inhalt des Papst-Gesprächs mit Bundeskanzler Schröder machte das Bundespresseamt keine Angaben. CDU-Chefin Angela Merkel sagte, «wir sind alle stolz, dass wir einen deutschen Papst haben.» Schröder war in Begleitung seiner Ehefrau Doris Schröder-Köpf, Merkel war mit ihrem Ehemann Joachim Sauer beim Papst.

Die Bahn mobilisierte am Samstag alle Reserven, um die Pilgerströme in Richtung Marienfeld zu bewältigen. «Alles, was rollt, ist im Einsatz», sagte ein Bahn-Sprecher. Rund 400 Züge sollten insgesamt im Tagesverlauf in Richtung Bahnhof Horrem westlich von Köln starten. Von dort aus müssen die Weltjugendtagsbesucher noch einige Kilometer zu Fuß gehen.

Auch alle Fernverkehrszüge wurden am Morgen für die Pilger freigegeben. Sie hielten bei Bedarf außerplanmäßig auch auf Bahnhöfen wie in Leverkusen und Solingen, wo tausende Pilger auf Mitfahrt warteten, sagte Bahnsprecher Frank Gassen-Wendler am Samstag. «Wir passen uns den Pilgern an.» Zusätzlich zu den Sonderzügen, die bereits im Einsatz seien, stünden weitere Züge bereit.

«Die Pilger ziehen singend und Fahnen schwenkend auf das Feld. Die Stimmung ist hervorragend, die medizinische Lage absolut stabil», berichtete Rainer Löb, Bundesarzt der Malteser. Polizeikräfte steuerten den Zugang zu den Gleisen an zahlreichen Kölner Bahnhöfen, um ein Chaos zu vermeiden. Zudem waren Shuttlebusse von mehreren Punkten in der Innenstadt aus in Richtung Marienfeld unterwegs.

Am Abend war eine Audienz des Papstes mit Vertretern muslimischer Organisationen geplant. Es wurde erwartet, dass sich Benedikt XVI. dabei auch zum Terrorismus äußert. (tso)

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