MarsOne : Eine Reise zum Mars ist ein alter Menschheitstraum

Eine Reise zum Mars ist ein alter Menschheitstraum. Schon Wernher von Braun schilderte vor 60 Jahren den Aufbau einer Marskolonie bis in die Einzelheiten. Es ist eine kulturelle und zivilisatorische Frage, zu neuen Planeten aufzubrechen.

Joachim Mahrholdt
Roter Planet. Eisenoxid-Staub gibt dem Mars seine rostrote Farbe.
Roter Planet. Eisenoxid-Staub gibt dem Mars seine rostrote Farbe.Foto: picture alliance / dpa

Als der englische Science-Fiction-Autor H. G. Wells 1898 in seinem Roman „Krieg der Welten“ Marsianer mit ihren Raumschiffen auf der Erde landen ließ, traf seine Satire auf die britische Kolonialpolitik nur in literaturinteressierten Kreisen auf Widerhall. 40 Jahre später, als Orson Welles den Stoff in seinem legendären Hörspiel verarbeitete, löste er panische Reaktionen unter den amerikanischen Radiohörern aus. Inzwischen hielt man solchen Besuch vom Mars für denkbar.

Denkbar ist menschlicher Gegenbesuch auf dem Mars schon lange. Das zeigt etwa der Buchtitel „Die Rakete zu den Planetenräumen“, mit der Hermann Oberth 1923 die Grundlagen der Raketentechnik beschrieb. Sein Schüler Wernher von Braun wurde schon konkreter und schilderte vor 60 Jahren den Aufbau einer Marskolonie bis in die Einzelheiten. Und dessen Mitarbeiter bei der Nasa, Jesco von Puttkamer, sagt klar: „Der nächste logische Schritt für die bemannte Raumfahrt ist Mars.“

Eventuell könnte Algen als Ernährung verwenden

Nur zielen alle Projekte bislang auf einen Austausch zwischen Erde und Mars, auf die Rückkehr von Raumfahrern und die Neubesetzung von Außenstationen. Dies war auch Grundlage der über 520 Tage gehenden russischen Langzeitstudie in den Jahren 2010 und 2011, bei der sechs Freiwillige in einem abgeschlossenen Komplex Hinflug, Aufenthalt und Rückflug simulierten – psychische Schwerstarbeit. Wenn sich eine kleine Gruppe von Raumfahrern mithilfe international entwickelter Technik auf den Weg machen sollte – ein Vergnügen wird das nicht. Der ehemalige deutsche Astronaut Ernst Messerschmid forschte bis zu seiner Emeritierung mit seinen Kollegen am Institut für Raumfahrtsysteme in Stuttgart auch an fortgeschrittenen Lebenserhaltungssystemen. „Auf der Internationalen Raumstation beträgt der Bedarf pro Astronaut und pro Tag 16 Kilogramm. Darin sind enthalten Wasser, Sauerstoff, Lebensmittel.“ Das sei für einen interplanetaren Flug viel zu viel. Messerschmid: „Das alles muss auf deutlich unter fünf Kilogramm pro Tag reduziert werden, und das geht nur durch Recyclieren.“ Anders gesagt: Frisches Wasser gibt es an Bord nicht, nur immer wieder verwertetes. Und eventuell könnte man Algen zur Ernährung nutzen. Solche Versuche liefen in Stuttgart bereits. Aber praxistaugliche Resultate ließen noch auf sich warten.

Die zentrale Frage wird man beantworten müssen: Welchen Sinn hat es, Menschen zum Mars zu schicken, außer dem, es technologisch geschafft zu haben? Wissenschaftlich sei dort so viel nicht zu holen, meinen führende Vertreter beim DLR, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Es sei vielmehr eine kulturelle und zivilisatorische Frage, zu neuen Planeten aufzubrechen. Ob dem niederländischen Mars-One-Projekt, einer Art „Big Brother“ auf der rostigen Kugel, besonderer kultureller Wert zukommt, darf bezweifelt werden.

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