Welt : Maschine der El Al wehrt Raketen ab

Rainer W. During

Als erste Zivilfluggesellschaft wird die israelische El Al im Dezember eine ihrer Maschinen mit einem Raketenabwehrsystem ausstatten. Verläuft der Test erfolgreich, ist die Nachrüstung von zunächst sechs weiteren Jets mit der rund eine Million Dollar teuren Flight Guard-Anlage vorgesehen. Im November 2002 war eine Boeing der israelischen Fluglinie Arkia kurz nach dem Start in Mombasa (Kenia) nur knapp einem Raketenanschlag entgangen. Bisher sind nur Militärflugzeuge und Regierungsjets mit so genannten Flares ausgerüstet. Die Feuerwerkskörpern ähnelnden Geschosse sind in Abschussbatterien an den Rumpfseiten installiert.

Sie werden seitlich zur Flugrichtung abgefeuert, wenn ein spezielles Bordradar die Annäherung einer Rakete meldet. Weil die Leuchtkugeln heißer sind als der Abgasstrahl der Triebwerke, lenken sie die temperaturempfindlichen InfrarotZielsuchköpfe der Boden-Luft-Raketen vom Flugzeug ab. Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass zahlreiche dieser tragbaren Raketen aus Krisengebieten in dunkle Kanäle geraten sind. Vor einem Jahr war damit ein Airbus-Frachter des Paketdienstes DHL nach dem Start in Bagdad beinahe abgeschossen worden. Die Besatzung konnte den Jet mit schwer beschädigter Tragfläche notlanden. In Großbritannien wurden im Sommer Pläne für einen möglichen Raketenanschlag am Londoner Flughafen Heathrow aufgedeckt. Für die Anwendung an Zivilmaschinen sollen israelische Firmen nicht leuchtende Flares entwickelt haben. So soll verhindert werden, dass die Passagiere den Abschuss bemerken und an Bord eventuell eine Panik entsteht. Die Israelis wollen Flight Guard jetzt auch in den USA vermarkten. Doch bisher fehlt die Zulassung der US-Luftfahrtbehörde. Deshalb dürfen selbst El Al-Flüge in die Vereinigten Staaten bisher nicht damit ausgestattet werden. Amerikanische und europäische Unternehmen entwickeln gut doppelt so teure Konkurrenzsysteme, die mit Laserstrahlen arbeiten.

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