Welt : Maske des Bösen

Ein Massenmörder hat bei der „Batman“-Premiere in Denver zwölf Zuschauer erschossen – war der Film seine Vorlage?

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Schockiert sitzen überlebende Zuschauer nach dem Massaker gegenüber vom Kino an der Straße. Foto: dapd
Schockiert sitzen überlebende Zuschauer nach dem Massaker gegenüber vom Kino an der Straße. Foto: dapdFoto: dapd

Mit seiner gewaltigen rot-gelben Neon-Fassade ist das Multiplex-Kino Century 16 von weitem sichtbar. In der Nacht zum Freitag hatte es dort lange Schlangen gegeben. Opening Night. Punkt Mitternacht startete die Premiere von „The Dark Knight Rises“, der letzte Teil der Batman-Trilogie von Christopher Nolan. Der Film lief in mehreren der sechzehn Kinosäle, die allesamt bis auf den letzten Platz gefüllt waren – auch in Saal 9. Da saßen unter hunderten von Kinofans auch Kinder, viele trugen die Kluft ihres Helden, den Batsuit samt Maske.

Plötzlich tauchte aus der Dunkelheit ein Mann auf, zündete zwei Sprengsätze und eröffnete das Feuer auf die Zuschauer. Zwölf Menschen wurden getötet, mehr als 50 verletzt.

Der Attentäter hatte sich selbst martialisch gekleidet, trug Gasmaske und schusssichere Weste – ganz als wäre er selbst einer der Antagonisten Batmans. Der 24-Jährige hatte ein Messer, eine Pistole und ein Sturmgewehr bei sich.

„Ich habe einen Mann gesehen, der durch die Ausgangstür in den Saal kam“, sagte ein Kinobesucher dem lokalen Fernsehsender 9News. „Er zündete zwei Sprengsätze und wartete, bis beide explodiert waren. Dann begann er zu schießen.“ Bei den Sprengsätzen dürfte es sich nach ersten Erkenntnissen um Tränengas oder Pfefferspray gehandelt haben.

Andere Augenzeugen sagten, der Mann sei plötzlich hinter einem Vorhang hervorgetreten. Der Täter dürfte den Zeitpunkt der Aktion auf den Film abgestimmt haben. „Wir sahen gerade eine Schießerei, überall feuerten Waffen“, berichtete ein Batman-Fan vor dem Kino. „Dann gab es laute Explosionen von der rechten Seite des Kinos. Plötzlich war überall Rauch, richtig dicker Rauch, man konnte kaum etwas sehen. Meine Schwester und ich fragten uns, was los war." Erst kurze Zeit später habe er begriffen, dass eine wirkliche Schießerei stattfand. „Wir haben einige Leute gesehen, die verletzt waren. Sie humpelten und waren mit Blut verschmiert.“

Fans in anderen Kinosälen erlebten die Tragödie hautnah. Im einem benachbarten Saal schlugen einzelne Kugeln ein. Ein Zeuge im Saal 16 hörte Explosionen und Schüsse aus der Ferne und glaubte zunächst, der Lärm gehöre zum Film.

Bilder des lokalen Nachrichtenfernsehens in Denver zeigten ein gewaltiges Polizei-Aufgebot in den Stunden nach der Schießerei. Dutzende von Polizeiautos hatten das Gelände um das Multiplex-Kino abgeriegelt, ein Polizeiroboter untersuchte ein verdächtiges Fahrzeug, während sich Rettungssanitäter um die Verwundeten kümmerten und die umliegenden Krankenhäuser alarmierten.

Der Täter ließ sich auf dem Parkplatz des Kinos widerstandslos festnehmen.

Er trug eine Atemmaske. Der Bösewicht im neuen „Batman“-Film namens Bane – gespielt von Tom Hardy – trägt ebenfalls ein Gerät im Gesicht. Die Frage ist, ob der Täter vor der Premiere den Film gesehen haben könnte. Vollständig wohl nicht, aber es gab Trailer mit einzelnen Szenen sowie ausführliche Vorabinformationen und Bilder im Internet.

US-Präsident Barack Obama erklärte nach der Tat, in einem „Moment der Dunkelheit und Herausforderung“ sei es wichtig, dass das Land gemeinsam stark sei.

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