Massendemonstrationen : Zehntausende Syrer demonstrieren gegen Mehlis-Bericht

In großen syrischen Städten haben am Montag Zehntausende Menschen gegen den vom Berliner Oberstaatsanwalt Detlev Mehlis verfassten UN-Bericht demonstriert. Sie sehen das Schriftwerk als Einmischung der USA.

Damaskus/Beirut/Paris - Zehntausende Syrer sind am Montag einem Aufruf staatlicher Organisationen gefolgt und haben gegen den UN-Bericht zum Mord an dem libanesischen Ex-Regierungschef Rafik Hariri protestiert. Die Demonstranten in Damaskus und Aleppo trugen Bilder von Präsident Baschar al-Assad und Transparente mit Aufschriften wie «Nein, Nein zu dem falschen Bericht» und «Kein Druck der USA». Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy erklärte unterdessen in Paris, seine Regierung wolle Syrien mit einer UN-Resolution zu einer umfassenden Zusammenarbeit bei der Aufklärung des Hariri-Attentates zwingen.

Der Berliner Oberstaatsanwalt Detlev Mehlis hatte in seinem Ermittlungsbericht für die Vereinten Nationen mehrere syrische Politiker und Geheimdienstoffiziere als Verdächtige genannt. Zu denjenigen, die von Zeugen mit dem Mord am 14. Februar dieses Jahres in Verbindung gebracht wurden, gehören auch zwei Mitglieder der Familie von Präsident Assad: Sein Bruder Maher und sein Schwager Asef Schawkat, der Chef des Militärgeheimdienstes.

Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete unterdessen, Ziad Ramadan, dessen Name im UN-Bericht im Zusammenhang mit dem Verschwinden des Palästinensers Ahmed Abu Addas erwähnt wird, befinde sich in Syrien in Haft. Unter Berufung auf seine Familie in Libanon hieß es, Ramadan habe sich den syrischen Behörden gestellt, die ihn kurz verhört und dann aber nicht freigelassen hätten. Ramadan hatte Verbindungen zu Abu Addas, der im Januar in Beirut verschwunden war. Er hatte in einem nach Ansicht der UN-Ermittler gefälschten Video erklärt, er habe Hariri umgebracht.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA meldete am Montag, muslimische und christliche Geistliche in Syrien hätten den Vertretungen Frankreichs, der Vereinten Nationen und des Vatikans in Damaskus ein Schreiben übergeben, in dem sie gegen den Mehlis-Bericht protestieren. Der Bericht sei «nicht objektiv», heißt es in dem Brief.

In Libanon äußerten sich die schiitische Hisbollah und die Amal- Bewegung ebenfalls kritisch zu dem Ermittlungsbericht. «Der UN- Bericht wird die Libanesen nicht zur Wahrheit führen», heißt es darin. Beide Parteien erklärten, sie lehnten UN-Sanktionen gegen Syrien ab. Die von Parlamentspräsidenten Nabih Berri geführte Amal und die pro-iranische Hisbollah hatten zu Zeiten der syrischen Truppenpräsenz in Libanon eng mit den Syrern kooperiert. (tso/dpa)

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