Matthies meint : Boris Becker: Trunken von Sinn und Sinnlichkeit

Da kommt was auf uns zu: Bernd Matthies warnt vor der noch einmal anschwellenden Boris-Becker-Welle in Fernsehen und Internet.

Bernd Matthies
Boris Becker und Lilly Kerssenberg
Hat noch lange nicht genug. Boris Becker (mit Braut Lilly Kerssenberg).Foto: ddp

So, nun wieder zu den interessanten Dingen. Politik hat auf Dauer einfach zu geringe Einschaltquoten. Das wäre auf europäischer Ebene nur dann zu ändern, wenn sich die beiden Stars der EU-Wahl, Daniel Cohn-Bendit und Gabriele Pauli, zu einer Liebesheirat entschließen könnten. Ein Medientraum! Vielleicht im Kölner Dom? Er vor der Tür mit seinen französischen Meisterdenkerkumpels, sie in Latex mit ihrer Motorradgang? Direkt übertragen von Phoenix, drei Tage trunken von Sinn und Sinnlichkeit – das wäre für Europa, was das Hambacher Fest für die bürgerliche deutsche Demokratie war, ach was: Hambacher Fest und Märzrevolution in einem Aufwasch.

Tja, nun die Realität: Die Heirat findet statt. Am Freitag. Allerdings in St. Moritz, vollzogen von Boris Becker und Lilly Kerssenberg. RTL und „Bild“-Zeitung sind Medienpartner, das ist wirkungsmächtig wie eine Stalinorgel mit Atomsprengköpfen, dieses Ereignis wird uns reingewürgt, ob wir wollen oder nicht, wir werden hilflos hinstarren wie auf einen besonders blutigen Autounfall. Kann denn nicht mal jemand den Rettungshubschrauber holen? Ach, in dem sitzen auch nur Paparazzi.

Ich kann zur Grundimmunisierung einen Blick in www.boris-becker.tv empfehlen, eine Art informationelle Resterampe. Da sind alle Elemente der kommenden Offensive schon angelegt: vergeigte Pseudointerviews, dummes Gerede, uninteressante Fakten, falsche Gefühle. Umrankt wird das alles von Sponsoren wie „Tiroler Nussöl“; vermutlich stehen Beckers Blondhaare deshalb so stramm, weil er mit dem Zeug immer seinen Fitness-Salat anmacht.

Was das „Exclusiv-Spezial“ bei RTL am Sonntag angeht, so sahen Quoten und Marktanteil übrigens ziemlich mau aus – schlechter als beim verflossenen „Hotelinspektor“, der im April und Mai auf diesem Sendetermin lag und im Rahmen seines Auftrags allerhand Wäschekammern durchsehen durfte, aber nicht einmal ein einfaches Verlöbnis auf die Reihe bekam. Was, wenn sich diese Tendenz fortsetzt? Blitzscheidung?

Dann müssten RTL und „Bild“ vermutlich versuchen, Gabriele Pauli einzubinden: Keine neue Partei soll sie gründen, lieber eine Familie mit einem, der es wirklich nötig hat. Boris B. macht garantiert jeden Scheiß mit.

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