Matthies meint : Das Helle ist die Schweiz

Glühbirnenverbot, na endlich: Bernd Matthies freut sich auf das Ende der Klimakatastrophe, wie wir sie kennen.

Bernd Matthies
Bernd Matthies
Bernd Matthies, Redakteur für besondere Aufgaben.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Führende Verbotsforscher wissen: Verbote nützen nichts, wenn sie nicht durchsetzbar sind. Andererseits muss der Staat, um ernst genommen zu werden, ab und zu was verbieten; schlimm, wenn ihm dabei Patzer unterlaufen wie kürzlich beim Paintball-Spiel oder den verschiedenen Anläufen, das Böse gesetzlich aus dem Internet zu entfernen.

Insofern müssen wir aus rein staatstheoretischen Gründen sehr loben, dass die EU nun endlich mal was konsequent durchzieht, nämlich das Glühbirnenverbot. Am 1. September werden alle 100- Watt-Birnen und die matten sämtlicher Leistungen verboten, das ist das Ende der Klimakatastrophe, wie wir sie kennen – aber was ist mit den Schlupflöchern? Wird es Glühlampenpornografen außerhalb der EU-Grenzen geben, die deutsche Junkies illegal mit Nachschub versorgen? Könnte das kolumbianische Osram-Kartell auf den Markt drängen, bis schließlich in der Hasenheide neben Koks und Gras auch matte 60-Watt-Kryptons angeboten werden?

In Deutschland, das hat das Wirtschaftsministerium soeben klargestellt, wird der Zoll zuständig sein. Die Beamten sollen die Glühbirnen beim Grenzübertritt abfangen und vernichten. Oder, und das ist seltsam, an Nicht-EU- Kunden versteigern, die sie dann offenbar weiter unsanktioniert anknipsen dürfen. Hallo? Wie soll denn die Welt genesen, wenn nicht am europäischen Wesen? Draußen im Weltall werden sie freilich begeistert sein: Das Helle da mitten in Europa, werden sie sagen, das ist die Schweiz.

Der Zoll also. Die Suche nach der Hunderasse, die Glühbirnen am besten erschnüffeln kann, ist bereits im Gange, und auch die Ausbildung ehrenamtlicher Lampenwarte hat begonnen: Sie sollen illegale Leuchtmittel per Blick durchs Fenster rechtssicher erkennen und den Betreiber der Staatsanwaltschaft beim Oberlampengericht Potsdam melden. Ersttäter müssen mit einer Stromsperre von drei Monaten rechnen, Wiederholungstäter mit Dunkelhaft nicht unter einem Jahr.

Auch gegen Hamsterer wird der Zoll sicher entschlossen vorgehen, zumal, wenn sie sich beim Schwarzhandel erwischen lassen. Untersuchungshaft ist sicher, auch wenn die führenden Kommentare den Haftgrund der Verdunkelungsgefahr eher ausschließen.

Es sind neue Delikte denkbar. Was passiert zum Beispiel, wenn ein Hersteller jetzt 99-Watt-Glühbirnen auf den Markt bringt? Ach, der Staat wird uns noch mancherlei verbieten müssen.

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