Matthies meint : Tesla und die Philosophie des Crashs

Wer einen selbstfahrenden Tesla fährt, muss die ganze Zeit aufpassen, dass kein Unfall passiert. Bernd Matthies hat da eine andere Idee. Eine Glosse.

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Ein Tesla Model S. Foto: dpa
Ein Tesla Model S.Foto: dpa

Das größte Risiko am Auto ist angeblich der Fahrer. Deshalb sind die Anstrengungen gewaltig, ihn außer Betrieb zu nehmen und durch Robotertechnik zu ersetzen, die angeblich all das viel besser kann. Wer mal im Dunkeln bei Regen durch eine Autobahnstelle navigiert hat, der fragt sich natürlich, wie zum Teufel irgendein System das besser schaffen soll als er selbst.

Diese Sorgen, so versichern uns die Erfinder, sind alle rückwärtsgewandt. Nun ja: Alle paar Wochen fährt ein Tesla mit eingeschaltetem Autopiloten irgendwo gegen, es gibt jetzt sogar ein deutsches Gutachten, das dieses System für gefährlich erklärt, weil es nicht Bescheid sagt, wenn es den Überblick verliert, sondern einfach hilflos weiterfährt – aber niemand scheint daraus passende Schlüsse zu ziehen. Ja, sagt der Hersteller, das sei eine Beta-Version, also irgendwie halbfertig, und da müsse der Fahrer eben drauf aufpassen.

Das macht einen verrückt

Nun weiß jeder routinierte Autofahrer, dass es leichter ist, selbst zu fahren, als auf jemanden aufzupassen, der es tut; das macht einen verrückt. Der Tesla selbst fährt im Normalfall übrigens ziemlich eckig, versetzt seinem Aufpasser sekündlich kleine Schocks, weil das Nachsteuern dauert – schwer zu glauben, dass wir uns an so was mal gewöhnen, wenn der Fahrer eines Tages womöglich sogar hinten lesen darf.

Noch lustiger ist allerdings der moralphilosophische Aufwand, mit dem diese Visionen begleitet werden. Den automatischen Systemen müsse eingeimpft werden, dass Sachschaden vor Personenschaden gehe, findet Minister Dobrindt und hat dafür sogar eine Ethikkommission ins Leben gerufen. Die soll den Programmierern auf die Finger schauen, damit das Auto immer die richtige Entscheidung trifft. Im Zweifelsfall muss es dann wahrscheinlich in den Millisekunden vor dem Aufprall die Kommission anrufen und um Rat fragen, wo der Fahrer früher einfach instinktiv irgendwo draufgebrummt wäre in der Hoffnung, dass es so am besten ist.

Es gibt übrigens ein ähnliches System, das schon ziemlich gut funktioniert und dabei nicht einmal auf Ethikkommissionen zurückgreifen muss. Es bleibt in der Spur, extreme Notfälle mal ausgenommen, lässt seine Fahrgäste ruhig schlafen, lesen und essen. Es handelt sich um die sogenannte Eisenbahn.

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