Welt : Maul- und Klauenseuche: Leder - ein Sommertrend

Margret Steffen

Die Achtziger sind wieder da, und sie werden auch noch bleiben. Für einen Sommer. Danach könnte es eng werden für Glamourverliebte und Neo-Punks: Die große Häute-Flaute ist in Sicht. "Durch BSE und MKS geraten wir in ernste Schwierigkeiten", sagt Jean-Paul Vivier, Direktor für Leder-Accessoires und Mode bei Louis Vuitton. Denn das millionenfache Verbrennen von Rindern und Schweinen wird künftig die Preise für Leder, wichtiger Baustein des 80er-Chics, in die Höhe befördern.

Und das, obwohl die Lederjacken auch im Sommer 2001 wieder ganz vorne liegen. "Sie passen immer - zu Kleidern, Blusen. Das bringt einen gewissen Stilbruch zu den angesagten femininen Stoffen", sagt Jutta Barthel, Moderedakteurin beim "Brigitte"-Magazin. Und Kontraste und Spannung sind unverzichtbar für das 80er-Comeback.

Nach den Farbturbulenzen vom letzten Jahr gibt es dazu wieder mehr Auge für Klassik. "Schwarze und braune Motorradjacken, aufgesetzte Taschen, Stehkragen", beschreibt das Susan Wolf, Stylistin bei Hennes und Mauritz. Ganz wichtig dabei: Ärmel mit Bündchen. "Das macht nicht so eine harte Kastenform wie durch die Schnallen früher." Auf jeden Fall hätten sich die Designer viel auf der Straße umgeschaut, wo jede Menge alter Lederjacken aufgetragen werde.

Zum Thema Chronologie: Der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Europa Was für diese Saison in den Läden hängt, stammt noch aus besseren Rinderzeiten - Mode wird immer ein Jahr vorab geplant. Und weil sie sich dabei noch nie um Widrigkeiten von außen kümmerte, prophezeit Moderedakteurin Barthel dem Jackenboom: "Das läuft weiter." In den Kollektionen für Sommer 2002 hätten die Designer "unverdrossen" auf Leder gesetzt. Bei den Entwürfen sei man davon ausgegangen, dass genug von dem Rohstoff vorhanden ist.

Wenn aber niemand mehr Fleisch essen mag, gibt es auch nicht genug Tiere, deren Leder verarbeitet werden könnte. Das Modehaus Gucci kauft beispielsweise nur Vorräte für sechs Monate - die Branche sorgt sich, Preissteigerungen um bis zu 70 Prozent bei Kalbsfellen den Kunden zumuten zu müssen.

Auch die Hersteller von Ledermöbeln klagen, dass ihre Rohstoff-Preise allein zwischen letztem Januar und März um weitere fünf bis sieben Prozent gestiegen seien. Und Schuhe sollen sich gar um zehn bis fünfzehn Prozent verteuern.

Trotzdem läuft ohne Leder nichts - und für nächstes Jahr sind Ideen gefragt. "Es gibt jede Menge Innovationen bei Kunstleder", sagt Jutta Barthel. Bei den Kollektionsvorstellungen seien Sachen aufgefallen, bei denen nur die auffällig wenigen Nähte ein Indiz für Imitat seien. Das gelte auch für Pelz, im Winter 2002 erneut angesagt. Vielleicht sei die Öffnung nach Osteuropa der Grund für die neue Unbefangenheit beim Thema Echt-Tier.

Bis aber auch neues Leder von irgendwo her kommt, heißt es also: Ruhe bewahren. Für den kommenden Sommer steht schon jetzt fest: Die Lederjacken haben kürzere Ärmel, knappe Kragen und wenig Details. Kurz und knapp also - ganz der Versorgungslage angemessen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben