Maya-Kalender : Jetzt kommt die neue Zeit

Wie die Maya das Ende ihres alten Kalenders erwarteten – ein Besuch in alten Kultstätten in Mexiko und Guatemala.

von und Tapachula[Huehuetenango],James Rodriguez[Huehuetenango]
An vielen Stätten ihrer versunkenen Kultur, wie hier nördlich von Guatemala-City gedachten die Angehörigen der Maya-Völker der historischen Zeitenwende.
An vielen Stätten ihrer versunkenen Kultur, wie hier nördlich von Guatemala-City gedachten die Angehörigen der Maya-Völker der...Foto: AFP

Doña Laura blickt nervös zum Vulkan hinüber, der sich am Horizont abzeichnet. „Ob das mit dem Weltuntergang stimmt?“ Die mobile Straßenverkäuferin ist unschlüssig, was sie glauben soll. Während sie tamales und atole – gefüllte Maisklöße und süßen Maisbrei– an ihre Kundinnen verteilt, versucht sie deren Meinungen zu erhaschen. So mancher Bewohner von Tapachula, der Grenzstadt im südlichsten Zipfel Mexikos, hat die letzten Tage Hamsterkäufe getätigt. Bevor die rückwärts gehende Neonuhr auf dem Hauptplatz um Mitternacht auf null stehen bleibt. Doña Laura seufzt und schiebt ihr dreirädriges Lastenfahrrad durch den lärmenden Straßenverkehr und die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Vielleicht sollte sie doch noch Reis und Bohnen einkaufen. „Für alle Fälle“, sagt sie. Immerhin gab es in letzter Zeit mehr Erdbeben als sonst schon in der Vulkanregion üblich. „Wer weiß, ob das nicht Vorzeichen waren.“

Lange vor Morgengrauen macht sich Juan Rodolfo Huerta am 21. Dezember auf den Weg hinaus nach Izapa, der antiken Hochstätte der aufblühenden Maya-Kultur, an der die Grundlagen des besagten Kalenders erarbeitet wurden. Keine 20 Autominuten sind es von Tapachula aus zu den Pyramiden. Eine spärlich beleuchtete Überlandstraße führt parallel zum Pazifik ins angrenzende Guatemala – mitten durch das einige Quadratkilometer große Ruinenareal hindurch.

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Ein Mann, der sich selbst für Jesus Christus hält, vollzieht in der Stadt Manila auf den Philippinen ein Ritual vor einer Kirche, Ob' hilft?Alle Bilder anzeigen
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21.12.2012 11:33Ein Mann, der sich selbst für Jesus Christus hält, vollzieht in der Stadt Manila auf den Philippinen ein Ritual vor einer Kirche,...

Wie oft hat sich der ehemalige Tourismusbeauftragte der Lokalregierung in den letzten Jahren darüber aufgeregt. „Unser historisches Erbe findet wenig Beachtung“, beschwert sich Huerta, während er durch die Nacht fährt. Selbst die weltbedeutende Zeremonie im Herzen des Maya-Imperiums findet auf private Initiative hin statt.

Als Huerta den Pick-up auf einem grasbewachsenen Gelände abseits der Ruinen zum Stehen bringt, sind in der Dunkelheit schon zahlreiche Schemen auszumachen. Ganz in Weiß sind manche Menschen gekleidet, die um 5 Uhr 15 die aufgehende Sonne erwarten, die genau über dieser zerfallenen Pyramidenanlage nach der längsten Nacht des Jahres in einer Linie mit den Planeten stehen wird.

Aus Neugier sei er angereist, sagt Christian Leyba, ein hochgewachsener Mann mit Sommersprossen auf dunkler Haut, der auf einer karierten Decke sitzt. An den Weltuntergang glaube er nicht. „Schon allein aus Berufsgründen“, beteuert der Statistiker aus dem Bundesstaat Guerrero und zieht lachend seine Freundin an sich.

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