Mecklenburg-Vorpommern : Dorf steht nach Bluttat unter Schock

Im mecklenburgischen Tessin haben Jugendliche ein Ehepaar getötet. Ein 15-jähriges Mädchen nahmen die Täter als Geisel und ergaben sich erst nach langen Verhandlungen der Polizei. Ob die Bluttat vorher angekündigt wurde ist bisher unklar.

Tessin - Zwei 17 Jahre alte Schüler töteten am Samstagabend in dem kleinen Ort Tessin bei Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern möglicherweise gezielt ein Ehepaar und nahmen ein 15-jähriges Mädchen als Geisel. Der 16-jährige Sohn der Opfer konnte sich im Wohnzimmer verbarrikadieren und die Polizei alarmieren. Die Geisel wurde später unverletzt befreit. Am Sonntagabend erließ das Amtsgericht Hagenow Haftbefehl wegen Totschlags, Geiselnahme und gemeinschaftlichen Diebstahl, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hans-Christian Pick, mit.

Die beiden Jungen haben die Tat nach Picks Worten inzwischen gestanden. Ein "nachvollziehbares Motiv" könne er aber nicht nennen. Sie hätten nicht vorgehabt, den Mann an der Tür zu töten, haben sie nach Picks Worten ausgesagt. Der Haftbefehl war eigentlich wegen Mordes beantragt worden. Dem folgte das Amtsgericht Hagenow aber nicht. Die Schweriner Staatsanwaltschaft war nach ersten Ermittlungen davon ausgegangen, dass die Verdächtigen die Bluttat vom Samstagabend vorher angekündigt hatten. Einem Zeugen sollen sie gesagt haben, sie wollten einen Menschen umbringen. Die beiden 17-Jährigen hatten erst nach stundenlangem Zögern ein Geständnis abgelegt.

In dem 400-Einwohner-Dorf bei Boizenburg an der Elbe (Kreis Ludwigslust) machte sich am Sonntag Entsetzen über die brutale Tat breit. Die Schweriner Staatsanwaltschaft ging nach ersten Ermittlungen davon aus, dass die Verdächtigen die Bluttat vom Samstagabend vorher angekündigt haben. Einem Zeugen sollen sie gesagt haben, sie wollten einen Menschen umbringen. Die Staatsanwaltschaft Schwerin beantragte beim Amtsgericht Hagenow Haftbefehl wegen Mordes, Geiselnahme und Diebstahls.

Verdächtige verweigerten zunächst die Aussage

Nach welchen Gesichtspunkten die Gymnasiasten ihre Opfer schließlich auswählten, blieb zunächst unklar. Sie verweigerten zunächst die Aussage. Ob bei der Tat Drogen oder Alkohol im Spiel waren, konnte die Staatsanwaltschaft noch nicht sagen. Einer der Jugendlichen stammt aus Tessin, der andere aus einem Nachbarort. Den Ermittlern zufolge wollten sie offenbar das Auto der Familie rauben. Als der 46 Jahre alte Familienvater ihnen gegen 21 Uhr die Tür öffnete, sollen die Schüler sofort mit einem Messer auf ihn eingestochen haben und kurz darauf auch auf seine 41 Jahre alte Frau.

Als die Polizei eintraf und das Haus umstellte, versuchten die Verdächtigen, im Auto der Opfer zu fliehen. Ein 15-jähriges Mädchen hatten sie schon gefesselt und geknebelt zum Tatort geschleppt. Die Geisel ist laut Staatsanwaltschaft eine Bekannte der beiden Schüler, mit denen sie zuvor den Abend verbracht hatte. Nachdem sie mit dem Kleinwagen das Gartentor und einen Zaun durchbrochen sowie ein anderes Auto gerammt hatten, endete die Flucht der Schüler. Nach einstündiger Verhandlung mit der Polizei warfen sie schließlich ihr Messer weg und gaben auf. Ihre Geisel blieb unverletzt.

Fassungslosigkeit bei den Dorfbewohnern

Von den Geschehnissen in der Nacht hatten viele Dorfbewohner zunächst gar nichts mitbekommen. Viele wurden erst durch Eilmeldungen in Radio und Fernsehen darauf aufmerksam: "Ich habe es in den Nachrichten gehört und bin gleich am Morgen hingefahren", sagt ein Mann, der in der Nähe eine Garage hat. "Ich begreife nicht, was da geschehen ist." Der Mann wird von der Polizei ebenso wie andere Schaulustige sowie Medienvertreter vom Tatort fern gehalten. Ermittler in weißer Schutzkleidung sicherten Spuren wie die Bremsspur des Fluchtautos. Polizeihubschrauber überwachten den Tatort aus der Luft.

Den Umstehenden stand am Sonntag die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. In dem kleinen Ort kannten alle die Opfer: Der Mann war Fensterbauer, berichten Nachbarn, die Frau arbeitete im Fliesenwerk in Boizenburg. "Ich begreife das nicht", sagt auch eine andere Nachbarin. "Das waren so ruhige und unauffällige Leute." (tso/dpa)

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