Medien : Currywurst-Steuer, rote Socken und ein abgesagter Italienurlaub

Wenn Parlament und Regierung Ferien machen, ist die Zeit für Außenseiter-Themen und skurrile Ideen gekommen: Im Sommerloch gewinnen Dinge an Bedeutung, die im Rest des Jahres kaum eine Rolle spielen.

Jürgen Petzold[AFP]
Sommerloch
Sommerlöcher lassen sich auch mit alten Themen füllen: Dieses Jahr sind hohen Benzinpreise mal wieder in aller Munde. -Foto: dpa

BerlinWenn Parlament und Regierung Ferien machen, ist die Zeit für Außenseiter-Themen und skurrile Ideen gekommen: Im Sommerloch gewinnen Dinge an Bedeutung, die im Rest des Jahres kaum eine Rolle spielen. Mal trieb ein Tierschicksal die Nation um, mal beherrschten "Rote Socken" oder eine "Currywurst-Steuer" das Nachrichtengeschehen.

Es war im Juli 1994, als der Kaiman Sammy in einem Baggersee bei Dormagen verschwand. Erst nach fünf Tagen gelang es einem Sporttaucher, das achtjährige Reptil wieder einzufangen. Das Verschwinden des Alligators hatte die ganze Nation beschäftigt. Sieben Jahre später sorgten ein Krokodil im Rhein und der "Killerwels" Kuno für sommerliches Aufsehen. Letzterer hatte im Spätsommer 2001 im Mönchengladbacher Stadtweiher angeblich einen Dackel samt Halsband verschlungen. Die Suche nach dem Tier blieb erfolglos, doch Berichten zufolge wurde zwei Jahre später der Kadaver eines Welses aus dem Weiher gefischt.

Hochwasserkatastrophen füllen Sommerloch

Zweimal in den vergangenen zehn Jahren haben Hochwasserkatastrophen die Republik während des Sommers in Atem gehalten. 1997 war die Oder betroffen, fünf Jahre später die Elbe. Das allseits gelobte Krisenmanagement von 2002 galt als ein Grund dafür, dass der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im September des Jahres noch einmal die Bundestagswahl gewann.

Doch auch mancherlei politische Debatte nimmt im Sommerloch beachtlichen Raum ein. So machte 1994 der damalige CDU-Generalsekretär Peter Hintze mit einer "Rote-Socken-Kampagne" gegen die PDS mobil und setzte damit auch der SPD zu. Die Auswirkungen auf die damalige Bundestagswahl, die Union und FDP erneut gewannen, blieben unter Meinungsforschern jedoch umstritten. Im Sommer 2000 rückte das rot-grüne Vorhaben einer Homo-Ehe in den Vordergrund. Teile der Union und der Kirche machten in der Öffentlichkeit gegen das Lebenspartnerschaft-Gesetz mobil, das der Bundestag dann im November des Jahres beschloss.

Sommerloch 2004: "Currywurst-Steuer"

Der "Medienkanzler" Schröder machte 2003 auf seine Weise von sich reden. Nach deutschenfeindlichen Äußerungen des italienischen Tourismus-Staatssekretärs Stefano Stefani sagte der Kanzler kurzerhand seinen Italienurlaub ab. Fortan debattierte die Nation leidenschaftlich darüber, ob dies die angemessene Reaktion war. Ein Jahr später warf die Grünen-Politikerin Ulrike Höfken den Vorschlag in den Ring, dem Übergewicht bei Kindern mit einer höheren Mehrwertsteuer auf ungesunde Lebensmittel zu Leibe zu rücken. Die Idee der "Currywurst-Steuer" war geboren.

Auch der Sommer 2007 findet seine Themen: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat mit seinen Forderungen nach härteren Anti-Terrorgesetzen Widerspruch aus allen politischen Lagern geerntet, die Grünen antworteten diese Woche mit der Internet-Aktion "Schnueffel-Schaeuble.de". Und obwohl die großen Koalition nach aktuellen Meinungsumfragen durchaus Zuspruch beim Wahlvolk findet und keineswegs akut gefährdet scheint, wird laut über deren Ende nachgedacht. Die FDP sieht unermüdlich das Ende von Schwarz-Rot heraufziehen, zeigt sich aber auch skeptisch zu der von der SPD ins Gespräch gebrachten Ampelkoalition.

Benzinpreis als Dauerbrenner



Unterdessen erweist sich der CDU-Abgeordnete Uwe Schummer als Mann der Tat: Unter dem Motto "Arbeiten, wenn andere schlafen" will der Vizechef der Unions-Arbeitnehmergruppe die Sommerzeit nutzen, um "auf Nachtschicht" zu gehen. Dafür wird er demnächst eine Reihe von Firmen im Rheinland besuchen, in denen rund um die Uhr gearbeitet wird.

Und auch ein Dauerbrenner ist 2007 wieder mit dabei: Der stets zur Urlaubszeit ansteigende Benzinpreis, der in diesem Jahr zeitweise schon die Rekordmarke von 1,40 pro Liter erreichte, erbost die Autofahrer. Da kann auch die Politik nicht schweigen. SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler sieht das Problem freilich auf einer ganz anderen Ebene: Das Bundeskartellamt müsse eigentlich einschreiten, fordert der Sozialdemokrat - und äußert zugleich die Vermutung, die Behörde habe sich möglicherweise "schon in die Sommerpause verabschiedet". (mit AFP)

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