Medienbericht : Hagener Polizei verschweigt Todesfall

Jetzt erst wurde bekannt, dass bereits im vergangenen Jahr ein Franzose gestorben sein soll, während er sich in der Obhut der Hagener Polizei befand. Im März verstarb ein Deutsch-Türke unter ähnlichen Umständen. Einem Zeitungsbericht zufolge gibt es Indizien für schwere Misshandlungen.

Hagen/Frankfurt/MainDie Polizei in Hagen hat nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" einen weiteren Todesfall unter ihrer Aufsicht verschwiegen. Wie die Zeitung berichtet, starb bereits am 14. Mai 2007 ein 35 Jahre alter Mann, als er von Polizisten an Händen und Füßen und am Kinn fixiert wurde. Die Polizeibehörde soll den Todesfall verschwiegen haben.

Der Mann sei an einem Herzstillstand gestorben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Strafrechtlich relevantes Verhalten der Beamten sei nicht festgestellt worden. Die Polizisten hätten auf Anweisung des Arztes gehandelt. Angaben zur Dauer der Fixierung des Mannes machte der Sprecher nicht.

Mann soll unter Psychose gelitten haben

Bestätigt sei nur, dass der Mann sich in einer Hagener Klinik befand, als ihn Polizeibeamte festbanden. Laut Oberstaatsanwalt Reinhard Rolfes habe der Mann unter einer Psychose gelitten und sich geweigert, Medikamente einzunehmen. Drei Polizisten sollen ihn daraufhin an Händen und Füssen gefesselt haben. Zur "Verhinderung von Beiß- und Spuckversuchen" sei zudem sein Kinn fixiert worden. Wie lange und wie sein Kinn festgebunden und damit seine Atmung möglicherweise behindert worden sei, wolle die Staatsanwaltschaft nicht sagen.

Der Fall erinnert an den Tod eines Deutsch-Türken nach einem Zwischenfall auf einer Hagener Polizeiwache. Der Mann hatte am 17. Februar die Polizei gerufen, weil er sich von einem "schwarzen Mann" verfolgte fühlte. Da er einen verwirrten Eindruck machte, wurde er auf die Wache mitgenommen. Als er dort zu randalieren anfing, wurde er auf einer Krankentrage festgebunden. Dann kollabierte er und erlitt einen Herzstillstand. Nach drei Wochen im Koma starb er.

Nach einer ersten Obduktion hatte die Staatsanwaltschaft als Todesursache übermäßigen Kokainkonsum und ein Gehirnödem angegeben, das offenbar durch die Wiederbelebungsmaßnahmen verursacht worden sei. Nach Recherchen der "Frankfurter Rundschau" gibt es Indizien für schwere Misshandlungen durch elf beteiligte Polizeibeamte. (nim/ddp/AFP)

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