Medienerziehung : Kinder vor Fernsehbildern schützen

Erst nach und nach lernen Kinder, fiktive Geschichten von Nachrichten aus der wirklichen Welt zu unterscheiden. Bewegte Bilder sind bedrohlich, wenn sie echtes Leid zeigen. Experten raten Eltern zur Vorsicht.

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Die Bilder der Zerstörung sind allgegenwärtig. Vorsicht ist aber bei bewegten Bildern geboten, die verzweifelte Menschen auf der Flucht zeigen.
Die Bilder der Zerstörung sind allgegenwärtig. Vorsicht ist aber bei bewegten Bildern geboten, die verzweifelte Menschen auf der...Foto: Reuters

„Die Wolke“ hat vielen Kindern und Jugendlichen in der Nach-Tschernobyl-Ära schwer zu schaffen gemacht. In diesem Jugendroman beschreibt die Lehrerin und Schriftstellerin Gudrun Pausewang die Folgen eines Super-GAUs in einem deutschen Kernkraftwerk. Der Roman erschien 1987 und wurde 2006 verfilmt. Heftige Lesekost für zarte Kinderseelen. In diesen Tagen sitzen Kinder in den Wohnzimmern, in denen Fernsehberichte aus Japan ebenfalls die Angst vor einem atomaren Super-GAU thematisieren. Vor einem realen diesmal. Fernsehberichte, in denen Bilder von Menschen zu sehen sind, die durch den Tsunami Angehörige, ihr Zuhause und ihre Existenzgrundlage verloren haben. Wie viele solcher Bilder und Nachrichten können Heranwachsende vertragen? Was sollten Eltern beachten, damit sich auf die Kinder nicht eine Angst überträgt, mit der sie nicht fertig werden, die möglicherweise noch länger ihre Spuren hinterlässt?

Zunächst: Bewegte Bilder wirken auf Kinder wie auf Erwachsene meist direkter als Worte. Eltern kleiner Kinder – und „klein“ ist auch noch ein Schulanfänger – sollten tagsüber am besten auf Fernsehnachrichten verzichten, in denen verzweifelte Menschen auf der Flucht gezeigt werden. Was in der Zeitung oder im Internet zu lesen und im Radio zu hören ist, sollte als Eindruck genügen.

Nach und nach lernen Kinder, fiktive Geschichten von Nachrichten aus der Wirklichen Welt zu unterscheiden. Gute Medienerziehung in der Familie und in der Schule kann ihnen dabei helfen, wie die Berliner Kinder- und Jugendtherapeutin Ute Benz in ihrem Buch „Jugend, Gewalt und Fernsehen – Zum Umgang mit bedrohlichen Bildern“ herausstellt. Die Bilder aus Japan sind jedoch besonders bedrohlich, weil man zu ihnen nicht Abstand halten kann: Sie kommen zwar aus einem fernen Land, doch sie zeigen echtes Leid. Auch mit Jugendlichen, die äußerlich cool wirken, sollten Eltern wenn möglich über das Gesehene sprechen. Über die naturwissenschaftlichen Fakten – aber auch über die Gefühle, die das Gesehene auslöst. Dann bieten auch solche Bilder eine Chance, auf dem Hintergrund eigener Geborgenheit Mitgefühl und Empathie zu entwickeln.

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