Medienrummel : Ein Schlag für Woods

Eigentlich ist Golfstar mit seinem Auto nur gegen einen Hydranten gefahren – aber Polizei und Medien lassen nicht locker.

Rita Neubauer[San Francisco]
Woods
Tiger Woods mit seiner Frau Elin Nordegren. -Foto: AFP

Er ist erfolgreich, hat eine bildhübsche Frau, zwei niedliche Kinder, Millionen auf dem Bankkonto, er konnte sich und seine Familie aus der Skandalpresse raushalten und ein friedliches Leben führen.

Bisher. Das friedliche Leben des Golfstars Tiger Woods ist zu Ende, wie es scheint. Sein mysteriöser Autounfall vergangenen Freitag beschäftigt die amerikanische Öffentlichkeit, die Medien und zunehmend die Polizei. Sie verlangt nun angeblich nach der Krankenhausakte, meldet das Internetportal TMZ.com.

Von dem Unfall ist nur soviel bekannt: Tiger Woods fuhr mit seinem Auto gegen einen Hydranten und einen Baum. Er wurde verletzt, wenn auch nicht schwer. Und: Seine Frau hat mit einem Golfschläger eine Autoscheibe eingeschlagen.

Wollte sie ihn damit retten? Ihm war während des Unfalls aber nicht viel passiert. Oder hatte sie es auf ihn abgesehen?

Fernsehsender spekulieren zur besten Sendezeit, ob hinter dem Crash in Florida ein handfester Ehekrach steckt. Voyeuristisch suchen Beobachter nach Sprüngen in der bisher perfekten Fassade, hinter der sich Tiger Woods mit seiner Frau erfolgreich in der Öffentlichkeit präsentierte. Sie spekulieren, ob er gar mitten in der Nacht vor dem Zorn seiner Frau floh, nachdem diese ihn wegen einer vermeintlichen Affäre zur Rede gestellt hatte.

Woods entschuldigte sich öffentlich. „Die Sache ist mein Fehler und es ist offensichtlich beschämend für meine Familie und mich. Ich bin auch nur ein Mensch und nicht perfekt. Ich werde sicherstellen, dass so etwas nicht noch einmal passiert.“

Muss man sich für einen Verkehrsunfall entschuldigen, bei dem man nur selbst zu Schaden gekommen ist? Doch nach Quellen von TMZ.com gibt sich die Verkehrspolizei in Florida mit den bislang dürftigen und offenbar widersprüchlichen Erklärungen der Eheleute Woods nicht zufrieden.

So soll Woods Frau Elin Nordegren angeblich nach ihrem Gatten Ausschau gehalten haben, als sie auf den demolierten Wagen außerhalb der exklusiven Wohnsiedlung in Windermere, Florida, stieß. Sie benutzte dann einen Golfschläger, um die Rückscheibe des schwarzen Cadillac-Geländewagens einzuschlagen, angeblich, um ihrem Mann aus dem Wagen zu befreien. Der Notdienst, von besorgten Nachbarn gerufen, fand Woods auf dem Asphalt, halb bewusstlos. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt konnte er jedoch wieder nach Hause gehen. Die Frage, die sich die Polizei stellt, lautet: Könnten die Gesichtswunden, die sich Woods zuzog, vielleicht von seiner Frau stammen? TMZ.com spekuliert, ob Nordegren vielleicht ihren Mann mit kompromittierenden Presseberichten über ein angebliches Verhältnis mit Rachel Uchitel, einer Hostess in einem Nachtclub, konfrontiert habe. Und dann ausrastete.

Uchitel, die ihren Verlobten bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001, verlor, ist keine Unbekannte für die Presse. Ihr Foto ging als „Engel aus der Asche“ um die Welt. Auch sie ließ sich inzwischen von einer Promi-Anwältin in dieser Sache beraten.

Die Polizei will nun die Freigabe von Woods’ Krankenhausakte erwirken. Und die ist der Verkehrspolizei nur zugänglich, wenn es sich um den Verdacht einer Straftat handelt. „Der Vorgang ist noch nicht abgeschlossen“, sagte Polizeisprecherin Kim Montes.

Woods selbst fachte die Gerüchteküche an, indem er der Polizei zweimal eine Abfuhr erteilte und Gesprächstermine absagte. Stattdessen ließ Mark NeJame, ein prominenter Anwalt in Orlando, Florida, ausrichten, dass keiner der beiden Eheleute zu einem Gespräch in ihrer 2,4 Millionen teuren Villa zur Verfügung stehe. Gleichzeitig versuchte die Nummer eins des Golfs übers Wochenende die Gerüchte niederzubügeln. Tiger Woods schimpfte: „Ich verstehe die Neugier, aber die vielen falschen, unbegründeten und bösartigen Gerüchte über meine Familie und mich sind unverantwortlich.“

Könnte Woods sauberes Image durch den merkwürdigen Unfall Schaden nehmen? „Kaum“, sagt Larry McCarthy, Professor für Sportmarketing an der Seton Hall University. „Wir vergessen und vergeben schnell, wenn es sich um Starathleten handelt.“ Woods Weigerung, sich mit der Polizei zu treffen, hält McCarthy dennoch nicht für die beste Strategie. „Je länger man blockt, desto länger ziehen sich diese Geschichten hin.“

Vielleicht wird man bald mehr erfahren von Woods, der gerade erst in die Hall of Fame der kalifornischen Eliteuni Stanford aufgenommen wurde. Für den heutigen Dienstag ist eine Pressekonferenz angesagt anlässlich des Benefizturniers Chevron World Challenge im kalifornischen Thousand Oaks. Doch „wir wissen nicht, ob Tiger spielt“, erklärte Greg McLaughlin, Turnierdirektor und der Präsident von Woods wohltätiger Stiftung, die von dem Turnier profitieren soll. Ein enormer Medienrummel dürfte den Veranstaltern sicher sein.

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