Medikamententest : Probanden in Lebensgefahr

Ein Medikamententest in einem britischen Krankenhaus hat bei den Probanden zu schockierenden Nebenwirkungen geführt. Zwei Männer befinden sich noch in Lebensgefahr.

London - Nach einem Medikamententest in einem britischen Krankenhaus liegen sechs Männer weiterhin auf einer Intensivstation. Zwei der Versuchsopfer ringen mit dem Tod. Die beiden Patienten - ein Engländer und ein Neuseeländer - seien auch drei Tage nach dem Test noch in Lebensgefahr, teilte ein Kliniksprecher am Donnerstag in London mit. Die Männer hatten am Montag eine Testsubstanz aus deutscher Entwicklung bekommen, die bislang nur an Tieren erprobt worden war.

Nach Informationen des britischen Senders BBC versagten bei ihnen in Folge einer allergischen Reaktion mehrere Organe. Unklar ist noch der Grund dafür. Die Freundin eines Patienten berichtete, der 28-Jährige sei völlig aufgedunsen und sehe aus «wie der Elefantenmensch». «Er ist völlig leblos. Er kann nicht einmal die Augenlider bewegen», sagte die BBC-Angestellte Myfanwy Marshall. Andere Angehörige schilderten, die Köpfe und die Nacken der Versuchsopfer seien bis auf das Dreifache des normalen Umfangs angeschwollen. Anfangs hätten sie die Patienten gar nicht mehr wiedererkannt.

Das Pharmaunternehmen TeGenero aus Würzburg, das das Mittel mit der Bezeichnung TGN 1412 zur Bekämpfung von Multipler Sklerose, Blutkrebs und Rheuma entwickelt hat, entschuldigte sich bei den Angehörigen der Versuchsopfer. Forschungschef Thomas Hanke sagte in London, im Tierversuch habe es damit noch nie Probleme gegeben. Alle weiteren Tests wurden gestoppt. Trotzdem rollen auf die Firma möglicherweise Millionen-Forderungen zu. Im Auftrag von Angehörigen prüft bereits eine Anwältin eine Klage.

Nach Informationen der Tageszeitung «The Times» bekamen die Teilnehmer des Tests das Mittel gleichzeitig verabreicht, was gegen die Vorschriften sei. Widersprüchliche Angaben gab es darüber, ob es bei Tierversuchen bereits Probleme gegeben habe. Marshall sagte, die Firma habe zugegeben, dass bei Tests ein Hund und mehrere andere Tiere gestorben seien. Hanke entgegnete, dass es bislang keinen Grund zu Sorgen wegen der Sicherheit gegeben habe.

Für den Versuch hatten sich am Montag in einer Klinik des US- Konzerns Parexel insgesamt acht Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren freiwillig das neue Mittel verabreichen lassen. Als Gegenleistung sollten sie umgerechnet 2900 Euro bekommen. Wie bei solchen Versuchen üblich, erhielten zwei der Männer nur ein Placebo-Präparat ohne Wirkung. Die anderen sechs mussten innerhalb von wenigen Stunden auf die Intensivstation gebracht werden.

Vermutet wird, dass sie eine Überdosis erhielten oder dass bei der Verabreichung ein Instrument verunreinigt war. Auch Fehler bei der Herstellung werden für möglich gehalten. Neben der britischen Medikamenten-Aufsichtsbehörde MHRA schaltete sich inzwischen auch Scotland Yard in die Ermittlungen ein.

Einer der beiden Placebo-Versuchskandidaten, Raste Khan, berichtete, die anderen Männer seien am Montag «wie Dominosteine umgekippt». «Zuerst haben sie ihre Hemden ausgezogen, weil sie über Fieber klagten», sagte der Fernsehtechniker der Boulevardzeitung «Sun». «Dann haben einige geschrien, dass ihre Köpfe gleich explodieren würden.» (tso/dpa)

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