Welt : Medizinskandal: Infizierter Chirurg operierte 24 Jahre

Reimar Paul

Nach den Fehlern bei der Dokumentation eines neuen Impfverfahrens gegen Nierenkrebs hat die Universität Göttingen einen neuen Medizinskandal am Hals. Ein mit Hepatitis B infizierter Herzchirurg hat in den vergangenen 24 Jahren 4000 bis 5000 Menschen operiert, ohne die Uni-Klinik von seiner Infektion zu informieren. Bei den Eingriffen könnten Patienten mit dem Virus angesteckt worden sein, räumte die Leitung des Klinikums ein.

Der Chirurg hatte zwar seiner Krankenkasse gemeldet, dass er das Hepatitis B-Virus chronisch in sich trägt, nicht jedoch der Universität. Formell sei der Mediziner dazu zwar nicht verpflichtet gewesen, "es wäre aber angezeigt gewesen, dass er das auch uns angibt", sagte Klinik-Vorstand Professor Jekabs Uldis Leititis. Nach seinen Angaben wurde die Infizierung Anfang Juli zufällig durch eine Mitteilung der Kasse an das Wissenschaftsministerium bekannt.

Die Hochschule will in den kommenden Monaten alle von dem Chirurgen operierten Patienten untersuchen lassen. Man wisse bereits von zwei Patienten, die an Hepatitis erkrankt seien, so Leititis. In diesen Fällen solle eine Genomanalyse klären, ob der Arzt das Virus übertragen habe. Der Göttinger Mediziner gilt als bundesweite Koryphäe in der Herzchirurgie. "Unsere Sorge ist, dass zumindest in Norddeutschland eine Versorgungslücke entstehen könnte", sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Manfred Droese.

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