Mehr als eine Attraktion : TV-Doku über siamesische Zwillinge

Seit ihrer Geburt sind Abigail und Brittany Hensel am Rumpf zusammengewachsen. Jetzt will der US-Sender TLC eine Doku über das Leben der 22-jährigen siamesischen Zwillinge zeigen - und womöglich nur die Sensationsgier der Zuschauer befriedigen.

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Was geht. Die siamesischen Zwillinge beim Autofahren. Foto: Screenshot
Was geht. Die siamesischen Zwillinge beim Autofahren. Foto: ScreenshotScreenshot

Berlin - Sie hassen es, wenn Leute sie anstarren, es nervt sie, wenn Fremde sie fotografieren – und vielleicht gerade deshalb haben Abby und Brittany Hensel jetzt eingewilligt, sich von einem Fernsehsender in ihrem Alltag begleiten zu lassen. Vielleicht wollen sie einem Millionenpublikum endlich zeigen, dass sie irgendwie ganz normal sind. Auch, wenn sie sich seit 22 Jahren einen Körper teilen.

„Abby & Brittany“ heißt die Sendung über das Leben der siamesischen Zwillinge Abigail und Brittany Hensel, die der US-Sender TLC ab dem 28. August ausstrahlen will. Die beiden Schwestern aus dem US-Bundesstaat Minnesota sind am Rumpf zusammengewachsen. Sie haben zwei Köpfe, zwei Wirbelsäulen, zwei Herzen, zwei Mägen, aber nur ein Paar Arme und Beine. Abbey kontrolliere die rechte Seite des Körpers, „ich die linke“ sagt Brittany in einem Ausschnitt der Doku, der bereits auf der Website des Senders zu sehen ist.

Gezeigt wird, wie die Schwestern Autofahren, Tanzen, Radfahren und Einkaufen, eben Dinge, die jeder Mensch macht. Doch was normal wirken soll, hat einen unguten Beigeschmack. Geht es hier nicht doch eher darum, eine Sensationsgier zu befriedigen?

Schon vor Jahrhunderten mussten siamesische Zwillinge für solche Zwecke herhalten. Chang und Eng Bunker, die 1811 in der thailändischen Provinz Siam geboren wurden und nach denen die Fehlbildung benannt wurde, sollen auf Jahrmärkten vorgeführt worden sein. So wie die in Brighton geborenen Schwestern Daisy und Violet Hilton ihrer Mutter gleich nach der Geburt abgekauft und zur Attraktion gemacht worden sein sollen. Später haben sie sich angeblich wie die Bunker-Brüder selbst vermarktet.

Die Eltern von Abigail und Brittany Hensel gehen mit den Medien eher zurückhaltend um. Mit sechs Jahren waren ihre Töchter in der US-Fernsehshow von Oprah Winfrey zu sehen und auf dem Cover des „Life“-Magazins unter dem Titel „Ein Körper, zwei Seelen“. Als die Mädchen 16 wurden, drehte TLC, damals noch The Learning Channel genannt, eine Doku über ihr Leben mit Bildern aus ihrer Kindheit. Ihre Eltern erzählen darin, dass sie sich gegen eine Trennung ihrer Töchter entschieden haben. Zu groß sei das Risiko gewesen, dass eine oder beide das nicht überleben. In der neuen Doku sind Abby und Brittanys voller Lebenslust bei der Jobsuche, beim Reisen und in der Freizeit mit Freunden zu sehen. Sie erzählen von ihren Träumen und Wünschen. Auch eine ihrer Freundinnen kommt zu Wort: „Ich weiß nicht, wie sie es machen. Überall, wo sie hingehen, werden sie angestarrt.“WEBSITE TLC] Demnächst auch im Fernsehen. Sonja Pohlmann

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