Welt : Mehr neue Kniegelenke für Wohlhabende

Gütersloh - In wohlhabenden Gegenden Deutschlands erhalten bis zu dreimal mehr Patienten ein künstliches Kniegelenk als in anderen Regionen. So wird in Bayern erheblich häufiger ein neues Kniegelenk eingesetzt als im Nordosten Deutschlands, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. „In wohlhabenden Gegenden wird häufiger am Knie operiert, obwohl die Menschen in solchen Regionen tendenziell seltener an Arthrose leiden“, erklärte Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Stiftung. Als mögliche Ursachen nennt der Report regionale Unterschiede bei der Versorgungsdichte mit Ärzten und Kliniken, bei den ärztlichen Empfehlungen, aber auch bei der Nachfrage nach operativen Eingriffen und den Erwartungen an Lebensqualität. Im bayerischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim haben 214 pro 100 000 Einwohner 2011 ein künstliches Kniegelenk erhalten. Das waren dreimal so viel wie im brandenburgischen Frankfurt/Oder.

Eine ungleiche Versorgungssituation gibt es demnach auch entlang der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg. In sämtlichen bayerischen Landkreisen direkt an der Grenze erhalten anteilig mehr Patienten künstliche Kniegelenke als in den baden-württembergischen Nachbarkreisen. Es sei „offensichtlich, dass nicht medizinische Faktoren die Versorgung beeinflussen“, erklärte Etgeton. Verbindliche ärztliche Leitlinien könnten hier Abhilfe schaffen. Die Untersuchung legt weiterhin den Schluss nahe, dass – anders als von vielen Fachleuten bislang vermutet – Voruntersuchungen durch Kniegelenkspiegelungen die Zahl der Operationen nicht verringern. Vielmehr werden in Regionen, in denen vergleichsweise viele solcher Arthroskopien durchgeführt werden, laut Studie auch viele künstliche Kniegelenke eingesetzt. AFP

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