Welt : Mehr Platz durch geringeren Abstand am Himmel Europas

Rainer W. During

Seit gestern ist der Himmel größer: Bei der umfangreichsten Änderung der europäischen Luftraumstruktur seit 50 Jahren haben 41 Staaten vom Nordkap bis zur Sahara den vertikalen Mindestabstand zwischen Flugzeugen im oberen Höhenbereich von 600 auf 300 Meter reduziert. Die Einführung von sechs zusätzlichen Höhenbändern soll die Kapazität des überlasteten Luftraums um 20 Prozent erhöhen und den Fluggesellschaften jährlich um die 3,9 Milliarden Euro an Treibstoff- und Verspätungskosten einsparen.

Je höher ein Flugzeug fliegt, desto weniger Treibstoff verbrauchen seine Triebwerke. Die geringere Luftdichte führte bei älteren Höhenmessern aber auch zu ungenauen Anzeigen. Deshalb musste bisher oberhalb von 29 000 Fuß (circa 9500 Metern) der doppelte Vertikalabstand eingehalten werden. Neue Höhenmesser liefern inzwischen so präzise Werte, dass auf den zusätzlichen Sicherheitspuffer verzichtet werden kann, wenn an Bord mindestens zwei dieser Geräte vorhanden sind.

Jeder Flugzeugtyp und dann noch einmal jede einzelne Maschine müssen individuell für das RVSM (Reduced Vertical Separation Minimum)-Programm zugelassen werden. Rund 90 Prozent aller Flugzeuge erfüllen bereits diese Anforderungen.

Über dem Nordatlantik wird die neue Regelung bereits seit März 1997 praktiziert, im Februar 2000 kamen der Nordpazifik und Teile Australiens dazu. Seit gestern gelten die neuen Mindestabstände auch in Europa und Nordafrika. Bis September soll sukzessive das Ziel einer 20-prozentigen Kapazitätserhöhung des Luftraumes erreicht werden, so die multinationale Flugsicherungsorganisation Eurocontrol.

Das bedeutet für die Reisenden auch eine größere Pünktlichkeit. War bisher jeder Flug in Europa im Durchschnitt auch nur vier Minuten verspätet, summierte sich das angesichts der Gesamtzahl der Passagiere alljährlich auf umgerechnet mehr als 2000 Jahre an verlorener Zeit.

Durch die zusätzlichen Höhenbänder können pro Flug im oberen Luftraum mindestens 80 Kilogramm Kerosin gespart werden, errechnete Eurocontrol. Bei täglich 10 000 Flügen sind das 290 000 Tonnen im Jahr, allein eine Kostenersparnis um rund 60 Millionen Euro. Auch die Umweltbelastung wird drastisch reduziert. Durch die verkürzten Flugzeiten werden künftig 913 500 Tonnen Kohlendioxid und 4350 Tonnen Stickoxide weniger in den Himmel geblasen.

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