• Mehrere Hundert Tote befürchtet: Felsbrocken erschlagen Slumbewohner - 500 Verschüttete

Mehrere Hundert Tote befürchtet : Felsbrocken erschlagen Slumbewohner - 500 Verschüttete

Felsbrocken-Drama in Kairo: 31 Menschen wurden von einer herabstürzenden Felswand erschlagen, bis zu 500 Vermisste sollen noch verschüttet sein. Doch die Bergungsarbeiten kommen nur schleppend voran. Jetzt protestieren die Einwohner gegen die Behörden.

229229_0_a2fc0900
Chaos bei den Bergungsarbeiten nach dem Felssturz in einem Kairorer Slumviertel. -Foto: dpa

KairoNach dem tödlichen Einsturz einer Felswand in einem Armenviertel von Kairo wächst die Wut der Einwohner auf die Behörden. Aus Ärger über die schleppende Bergung hätten sie Polizei und Zivilschutz am Sonntag mit einem Steinhagel empfangen, berichtete ein Sicherheitsvertreter. Am Samstagmorgen waren tonnenschwere Felsbrocken auf das Armenviertel gestürzt und hatten mindestens 35 Häuser unter sich begraben. Bis Sonntagmorgen wurden laut Gesundheitsministerium 31 Tote und 47 Verletzte unter den Trümmern geborgen, die Medien gehen von bis zu 500 weiteren Verschütteten aus. Fieberhaft suchten die Menschen nach Überlebenden - meist mit bloßen Händen, denn schweres Räumgerät stand auch am Sonntag nicht zur Verfügung.

Wut auf die Behörden
  

Die gesamte Nacht über versuchten Bergungskräfte und Überlebende, die herabgestürzten Felsbrocken wegzuräumen, in der Hoffnung, doch noch Überlebende zu finden. Auf einer Breite von rund 60 Metern war der aus Kalkstein bestehende Mokattam-Felsen abgebrochen und aus 15 Metern Höhe auf die wildgebaute Siedlung Manschijet Nasser herabgestürzt. Viele Menschen wurden im Schlaf von den bis zu mehreren hundert Tonnen schweren Brocken erschlagen. "Es war schrecklich, wie ein Erdbeben", erzählt der 24-jährige Arbeiter Sarchali Gharib. Er verlor nach eigenen Angaben acht Familienmitglieder bei dem Unglück - fünf Schwestern, eine Schwägerin sowie deren zwei Kinder.

Mangel an Kränen und Räumgeräten
  
Kranken- und Feuerwehrwagen waren kurz nach dem Abgang der Felsbrocken vor Ort, die Polizei riegelte die Unglücksstelle ab. Die Rettungsarbeiten kamen aus Mangel an Kränen und anderem Räumgerät jedoch nur langsam voran. Erst nach fünf Stunden traf erstes Räumgerät ein, doch war es am Sonntag immer noch nicht einsatzbereit.

Warunungen schon vor zwei Jahren

Bereits kurz nach dem Unglück wurden Vorwürfe gegen die Behörden laut. "Vor zwei Jahren schon haben wir sie gewarnt, dass uns das auf den Kopf stürzen würde. Heute ist das Drama passiert", sagte der 32-jährige Dschamal Badr, dessen Haus ebenfalls unter den Felsen begraben wurde. "Schon zweimal waren Felsbrocken auf uns gestürzt, glücklicherweise gab es jedesmal nur Leichtverletzte", berichtet der 42-jährige Taxifahrer Abdel Latin Hossam, dessen Haus wie durch ein Wunder stehengeblieben war.

"Es geschah nichts"
  
Andere Bewohner machten Bauarbeiten auf dem Mokattam-Hügel für den Einsturz verantwortlich. "Sie hatten uns gesagt, sie wollten ein Industriegebiet bauen und dafür das ganze Viertel evakuieren. Wir waren froh - doch dann geschah nichts", erzählt der 80-jährige Mohammed el Sajjed. Demnach hatten die Behörden das Viertel schon seit längerem als gefährlich eingestuft, vorgesehene Ausweichquartiere aber dann anderweitig verkauft. In einer Erklärung bestätigte das Innenministerium, dass Manschijet Nasser im kommenden Monat geräumt werden sollte. Nach einem Bericht der Zeitung "El Achram" wies Präsident Husni Mubarak die Regierung an, den obdachlos gewordenen Familien neue Unterkünfte zur Verfügung zu stellen und alle Hinterbliebenen zu entschädigen.

Es traf die Ärmsten der Armen
  
Wie viele Armensiedlungen am Stadtrand von Kairo besteht auch Manschijet Nasser vorwiegend aus zweistöckigen Backsteingebäuden. Die meisten wurden ohne Genehmigung der Behörden errichtet. Hier leben vor allem "Sabbalin", Lumpensammler, die unter härtesten Bedingungen den Müll der 20-Millionen-Metropole sammeln und verwerten. Viele von ihnen sind koptische Christen. Als Konsequenz des schweren Unglücks kündigte Ministerpräsident Ahmed Nasif nach einer Dringlichkeitssitzung am Samstagabend eine landesweite Untersuchung aller wilden Siedlungen an. (yr/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben