Welt : Mehrwegflaschen verlieren weiter an Marktanteilen

Torsten Holtz

Der Trend heißt "ex und hopp": Immer mehr Deutsche trinken lieber aus Dosen und Tetrapaks als aus Mehrwegflaschen. Der Anteil der Pfandflaschen an allen Getränkeverpackungen ist seit Jahren rückläufig. Im Jahr 1999 dürfte die so genannte Mehrwegquote nach Angaben des Vereins Pro Mehrweg unter 70 Prozent gelegen haben. Gesetzlich vorgeschrieben sind aber mindestens 72 Prozent. Deshalb muss laut Verpackungsverordnung im kommenden Jahr ein Zwangspfand eingeführt werden: 50 Pfennig pro gekaufter Einwegverpackung soll der Kunde dann zusätzlich zahlen. Das Geld bekäme er nur wieder, wenn er seine leeren Dosen, Einwegflaschen und Tetrapaks im Laden zurückgibt.

Ob es dazu kommt, ist noch unklar. Die Einzelhändler sind strikt dagegen. Und das Umweltministerium wartet noch auf endgültige Zahlen, die erst im September vorliegen sollen. Eingeführt werden könnte das Zwangspfand frühestens im Sommer 2001.

Wolfgang Schutt, Berater der Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt (AGVU), hält die Idee für "ausgemachten Blödsinn": Allein der Aufbau eines neuen Rücknahmesystems für die Einwegverpackungen in den rund 150 000 deutschen Getränkeshops würde rund drei Milliarden Mark kosten, rechnet der Experte vor. Dass die Verbraucher wegen des Pfands die Dosen im Regal lassen, hält er für unwahrscheinlich. Der Einweg-Trend ist laut Schutt nicht zu stoppen: "Es gibt nunmal immer mehr Singlehaushalte. Und die wollen keine schweren Kästen schleppen, sondern kaufen lieber spontan handlich verpackte Getränke."

Sogar das einstmals verpönte Dosenbier ist inzwischen salonfähig geworden. Inzwischen wird jedes fünfte Bier in Dosen verkauft. In Berlin lag der Anteil bei den Halbliterpackungen im Einzelhandel und den Abholmärkten im letzten Oktober bei 43,4 Prozent. Und auch im Bier-Traditionsland Bayern werden knapp 15 Prozent erreicht.

Gerade der Absatz solcher Getränke boomt, die in Einwegverpackungen abgefüllt werden, Modegetränke wie Energydrinks oder Eiskaffees. Auch der Anteil importierter Getränke, die fast immer in Einwegpackungen abgefüllt sind, wird immer größer.

Dass die Verbraucher faul und bequem geworden sind und deshalb die Mehrwegflaschen verschmähen, mag Peter Figge vom Verein Pro Mehrweg nicht glauben. Seinen Zuwachs verdanke das Dosenbier vor allem seinen geringem Preis. "Da ist das teurere Flaschenbier im Nachteil. Dieses Preis-Dumping muss aufhören", sagt Figge. Die Zahlen scheinen ihm Recht zu geben: Nach einer GfK-Untersuchung kostet inzwischen bei 83 Prozent aller Dosen-Biere der halbe Liter 69 Pfennig oder weniger, das sind im Durchschnitt 30 Pfennig weniger als für ein normales Flaschenbier bezahlt werden muss. Figge fordert daher das Zwangspfand, oder auch eine neue Abgabe auf Einwegmaterial. Doch Schutt widerspricht: "Die Marktbedingungen haben sich fundamental geändert". Eine Trendumkehr Richtung Mehrweg sei kaum zu schaffen.

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