Welt : Mein Freund, der Bär

Auf „Youtube“ ist ein US-Video über ein Junges in der Hausgarage der Hit. In Kanada springen die Wildtiere sogar in Hotelpools.

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Wie süß. Verzückt reagieren derzeit hunderttausende Internetnutzer, die einen wackeligen US-Film auf Youtube mit einem in der Garage herumturnenden Bärenjungen und seiner Mutter anklicken. Die österreichische „Kleine Zeitung“ gab den Namen der Hausbesitzerin mit Judy Coover an. Die Frau aus South Lake Tahoe in den USA hat die Szene mit ihrer Handykamera gefilmt – angeblich mit einem Fuß in der Tür, um bei einem Angriff flüchten zu können. Jetzt wird diskutiert, ob alles ein Fake sei, aber die Frau beschwört, es sei nichts als die Wahrheit.

Das Filmchen ist so oder so ein Beweis dafür, dass in vielen Gegenden der Welt Menschen dicht an dicht mit gefährlichen Wildtieren leben. In den Bergen von Whistler in Kanada kümmert sich sogar die Bärenschutzorganisation „Get Bear Smart Society“ darum, dass Einheimische und Touristen richtig reagieren, wenn ein Schwarzbär – die heißen so, obwohl sie ein braunes Fell haben – ein Bad im Hotelswimmingpool nimmt oder im Vorgarten die Wäsche vom Ständer hängt. In den Bergen in Nordamerika und Kanada ist so etwas Alltag.

Im aktuellen Bären-Videohit sieht man das Junge tollkühn und putzig an einer Stange an der Garagendecke herumturnen. Dann wird die Garagentür aus einzelnen Lamellen langsam noch oben geschoben. Die Filmautorin schreibt, „die Mama öffnet die Garagentür, um ihr Junges zu retten“. Es hatte wohl laut nach Hilfe gequäkt, turnte aber geschickt über die Leiter wieder nach unten. Einige User diskutieren, das sei doch alles unrealistisch. Doch die Frau berichtet, dass die Bärin öfter in der Garage gewesen sei, um Müll herauszuholen und zu fressen, ihr Nachwuchs sei wohl hineingeschlüpft, und die Tür sei hinter ihm heruntergeschlagen.

Auch bei den Olympischen und Paralympischen Spielen in Vancouver und Whistler in Westkanada gab es überall „Bearproof“-Mülleimer, bärensichere Container mit schweren Deckeln.

„In meinem Garten inspizieren oft Bären unseren Grill, ich sehe sie vom Fenster aus“, erzählte beispielsweise Kerry Duff dem Tagesspiegel in Whistler. In und rund um den Wintersportort mit rund 10 000 Einwohnern zu Fuße des 24000 Meter hohen Blackcomb-Berges sind 60 bis 100 der bis zu 300 Kilo schweren Schwarzbären zu Hause. Das ist eine der höchsten Bärenpopulationen Kanadas, weiß Experte Dawn Johnson von der kanadischen „Get Bear Smart Society“ – pro Quadratkilometer lebt hier ein Tier.

Die Ehrenamtlichen geben Anwohnern und Urlaubern Tipps, wie sie am besten mit den Tieren umgehen sollten, zudem schulen sie Lift- und Hotelpersonal. Zum eigenen Wohl und zum Wohl des Tieres. Doch allein im Olympiajahr 2010 mussten elf Schwarzbären erschossen werden, weil sie auch infolge des Klimawandels unterernährt im Ort auf Futtersuche gingen oder von einem Auto angefahren wurden. Menschen sollen dort die staatliche Stelle anrufen: „604-905-Bear“. 2,1 Millionen Touristen kommen sommers und winters nach Whistler. Einen Bären sehen viele von ihnen, wenn sie gerade auf dem Mountainbike fahren oder aus der Liftgondel steigen.

„Ich war mal nachts auf dem Nachhauseweg, da stand nur einen Meter vor mir so ein Koloss“, berichtet eine Frau in Vancouver. Laut Bärenexpertin Dawn Johnson soll man „dem Tier ruhig zureden und sich langsam zurückziehen“. Von einem Hotelzimmer aus könne man laut werden, um dem Tier Respekt einzuflößen. „Auf keinen Fall aber sollte man dem Bären in die Augen gucken, das ist für das Tier eine Aufforderung zur Konfrontation.“ Manchmal schrecken Bären schon zurück, wenn sie einen kleinen Hund sehen, sagt Kerry Duff.

Viele Urlauber platzieren ihr Kind aber sogar vor so ein Wildtier, um ein cooles Foto zu machen – das ist ein völliges Fehlverhalten. Bei der Szene in der Garage wäre es besser gewesen zu flüchten, statt ein Video zu drehen. Auch wenn es jetzt die Nutzer erfreut.

Infos auch für Touristen bei den Experten in Kanada: www.bearsmart.com

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